Was ist Factor Investing und worauf kommt es bei der Umsetzung an?

Factor Investing klingt auf den ersten Blick nach einer einfachen Idee: Aktien werden nach bestimmten Eigenschaften ausgewählt, etwa günstiger Bewertung, hoher Qualität oder niedrigerem Risiko. Doch genau diese Vereinfachung kann in die Irre führen.

Denn Unternehmen lassen sich selten sauber in eine einzige Schublade stecken. Eine Aktie kann günstig bewertet sein und trotzdem schwache Fundamentaldaten aufweisen. Eine defensive Aktie kann im Portfolio unerwünschte Zinsrisiken erzeugen. Und ein Multi Faktor-Portfolio kann weniger diversifiziert sein, als es der Name vermuten lässt.

Entscheidend ist deshalb nicht nur, welcher Faktor im Mittelpunkt steht. Entscheidend ist, wie dieser Faktor im Portfolio umgesetzt wird und ob andere Risiken kontrolliert werden.

Kurz erklärt: Factor Investing bedeutet, systematisch in belohnte Faktorprämien beziehungsweise Anlagestile am Aktienmarkt zu investieren. Zu den zentralen Faktoren zählen Value, Quality, Size, Momentum und Low Risk. Entscheidend ist dabei nicht, eine Aktie eindimensional als Value-, Quality- oder Momentum-Aktie einzuordnen, sondern das Gesamtportfolio so zu konstruieren, dass die gewünschte Faktorprämie möglichst sauber herausgearbeitet wird und unbeabsichtigte Länder-, Sektor-, Einzeltitel- oder Faktorrisiken kontrolliert bleiben.

Was bedeutet Factor Investing konkret?

Factor Investing bezeichnet einen systematischen Investmentansatz, der bestimmte Anlagestile am Aktienmarkt gezielt nutzt. Solche Anlagestile werden als Faktoren bezeichnet. Gemeint sind wiederkehrende Eigenschaften von Aktien, für die Anlegerinnen und Anleger langfristig eine Risikoprämie erwarten.

Die Grundidee besteht darin, aus historischen Kapitalmarktdaten wiederkehrende Muster abzuleiten. Untersucht wird zum Beispiel, ob Aktien mit bestimmten Merkmalen über längere Zeiträume anders abschneiden als der breite Markt. Dazu können etwa günstig bewertete Aktien, kleinere Unternehmen oder Aktien mit niedrigerem Risiko zählen.

Eine Risikoprämie ist die erwartete Entschädigung dafür, dass Anlegerinnen und Anleger ein bestimmtes Risiko bewusst eingehen. Dazu gehört zum Beispiel das Risiko, dass ein bestimmter Anlagestil über längere Zeit hinter dem breiten Markt zurückbleibt.

Der Ansatz unterscheidet sich damit von einer rein marktbreiten Indexanlage, die Aktien meist nach Marktkapitalisierung gewichtet. Er unterscheidet sich aber auch von klassischem Stock Picking, bei dem einzelne Unternehmen frei ausgewählt werden.

Factor Investing liegt dazwischen: Es folgt klaren Regeln, ist aber nicht neutral gegenüber dem Markt. Wichtig ist dabei: Eine Faktorprämie ist keine Garantie. 

Ob Anlegerinnen und Anleger davon tatsächlich profitieren, hängt stark davon ab, wie sauber die Strategie konstruiert ist.

Welche Faktoren spielen beim Factor Investing eine zentrale Rolle?

Im Mittelpunkt stehen meist fünf Faktoren: Value, Quality, Size, Momentum und Low Risk:

  • Value steht für günstig bewertete Aktien. Der Faktor hat eher einen antizyklischen Charakter, weil er nicht den Aktien folgt, die am Markt zuletzt besonders stark nachgefragt oder hoch bewertet wurden.
  • Quality beschreibt Unternehmen mit soliden Fundamentalkennzahlen, etwa hoher Profitabilität oder niedriger Verschuldung.
  • Size richtet den Blick auf kleinere und mittlere Unternehmen. Auch dieser Faktor ist eher antizyklisch, weil er sich bewusst von marktbreiten Indizes entfernt, in denen große Unternehmen automatisch besonders stark gewichtet sind. Anlegerinnen und Anleger erhoffen sich hier eine Prämie dafür, dass kleinere Unternehmen mit zusätzlichen Risiken verbunden sein können, etwa höheren Schwankungen oder geringerer Liquidität.
  • Momentum umfasst Aktien, die zuletzt eine positive Kursentwicklung gezeigt haben. Dieser Faktor ist prozyklisch, weil er bestehende Marktbewegungen aufgreift und darauf setzt, dass sich diese Entwicklung zunächst fortsetzen kann.
  • Low Risk zielt auf Aktien mit niedrigerem Risiko im Vergleich zum breiten Markt, etwa mit geringeren Kursschwankungen oder niedrigerem Marktrisiko.

Diese Faktoren folgen unterschiedlichen Logiken. Antizyklisch bedeutet: Eine Strategie setzt eher auf Marktbereiche, die nicht zu den zuletzt besonders stark bevorzugten oder größten Teilen des Marktes gehören. Prozyklisch bedeutet: Eine Strategie greift bestehende Trends auf und folgt ihnen zunächst weiter. Quality und Low Risk richten den Blick dagegen stärker auf Stabilität und Risikoeigenschaften.

Für Anlegerinnen und Anleger ist entscheidend, dass diese Faktoren nicht beliebig austauschbar sind. Sie können in verschiedenen Marktphasen sehr unterschiedlich wirken. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie auf beobachtbaren Eigenschaften von Aktien beruhen, die langfristig bestehen und aus Rendite- und Risikosicht als relevant gelten.

Welche Vorteile kann Factor Investing bieten?

Factor Investing kann Anlegerinnen und Anlegern helfen, Aktieninvestments systematischer und nachvollziehbarer zu strukturieren. Statt einzelne Aktien frei auszuwählen, richtet der Ansatz das Portfolio gezielt auf bestimmte Faktorprämien beziehungsweise Anlagestile aus.

Ein Vorteil liegt darin, dass verschiedene Faktoren unterschiedlichen Logiken folgen. Value und Size haben eher einen antizyklischen Charakter, Momentum ist stärker prozyklisch, während Quality und Low Risk stärker auf Stabilität und Risikoeigenschaften ausgerichtet sind. Weil sich diese Faktoren in verschiedenen Marktphasen unterschiedlich verhalten können, kann ihre Kombination Diversifikationseffekte ermöglichen.

Gleichzeitig ersetzt die Kombination mehrerer Faktoren keine saubere Portfoliokonstruktion. Entscheidend ist, dass kein einzelner Faktor das Portfolio ungewollt dominiert und dass Länder-, Sektor-, Einzeltitel- und andere Faktorrisiken kontrolliert bleiben. Der eigentliche Vorteil von Factor Investing liegt daher nicht nur in der Auswahl einzelner Faktoren, sondern in der kontrollierten Umsetzung auf Portfolioebene.

Warum lässt sich eine Aktie nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren?

Ein häufiger Fehler besteht darin, Aktien binär zu betrachten. Eine Aktie wird dann als Value-Aktie, Quality-Aktie oder Momentum-Aktie einsortiert, als wäre eine einzige Eigenschaft ausreichend.

In der Praxis ist das zu grob. Ein Unternehmen kann günstig bewertet sein, aber zugleich hohe Verschuldung, schwache Profitabilität oder ungünstiges Momentum aufweisen. Eine niedrige Bewertung allein macht also noch keine überzeugende Value-Aktie.

Genau hier beginnt die eigentliche Komplexität von Factor Investing. Aktien haben mehrere Eigenschaften gleichzeitig. Wer nur einen Filter nutzt, kann unbeabsichtigt andere Risiken einkaufen. Eine scheinbar klare Faktorstrategie kann dadurch in Wirklichkeit von ganz anderen Merkmalen geprägt werden.

Warum ist es schwierig, den passenden Faktor im Voraus zu bestimmen?

Rückblickend lässt sich oft gut erklären, welcher Faktor in einer bestimmten Marktphase funktioniert hat. Momentum kann in einem trendstarken Marktumfeld profitieren. Value kann nach langen Schwächephasen wieder stärker werden. Quality kann in unsicheren Phasen gefragt sein.

Das Problem liegt in der Prognose. Vorab zuverlässig zu bestimmen, welcher Faktor im nächsten Jahr am besten abschneiden wird, ist ähnlich schwierig wie die Prognose des Gesamtmarktes. Wer nur auf den zuletzt erfolgreichen Faktor setzt, schaut vor allem in den Rückspiegel.

Daraus folgt: Factor Investing sollte nicht als kurzfristige Wette auf den nächsten Gewinner verstanden werden. Sinnvoller ist die Frage, wie unterschiedliche Faktoren kombiniert werden können, ohne dass ein einzelner Faktor das gesamte Portfolio dominiert.

Warum können Faktorstrategien trotz plausibler Idee enttäuschen?

Viele Enttäuschungen entstehen nicht, weil die Faktoridee grundsätzlich falsch wäre. Häufig liegt das Problem in der Umsetzung.

Gerade frühe Smart Beta-Strategien wirkten oft sehr einfach: Aktien wurden nach einem Merkmal sortiert, gewichtet und in ein Portfolio aufgenommen. Das konnte zunächst plausibel aussehen. In der Praxis konnten dadurch jedoch Portfolios entstehen, die nicht nur den gewünschten Faktor abbildeten, sondern zugleich andere Risiken enthielten.

Dann entscheidet nicht mehr nur die gewünschte Faktorprämie über die Performance-Entwicklung, sondern ein Risiko, das eigentlich gar nicht im Mittelpunkt stehen sollte. Genau deshalb reicht ein schlüssiges Faktorlabel nicht aus. Entscheidend ist, ob die Strategie kontrolliert, welche Risiken bewusst eingegangen werden und welche nur unbeabsichtigt im Portfolio landen.

Welche unbeabsichtigten Risiken können in Faktor-Portfolios entstehen?

Unbeabsichtigte Risiken entstehen, wenn ein Portfolio neben dem gewünschten Faktor weitere starke Abweichungen gegenüber dem Markt aufweist. Dazu gehören Länderrisiken, wenn ein Portfolio deutlich stärker in bestimmten Ländern oder Regionen investiert ist als der breite Markt. Sektorrisiken entstehen, wenn einzelne Branchen wie Technologie, Versorger oder Telekommunikation übermäßig stark vertreten sind. Einzeltitelrisiken beschreiben eine zu starke Abhängigkeit von wenigen einzelnen Aktien. Faktorrisiken entstehen, wenn neben dem eigentlich gewünschten Faktor weitere Faktoren das Portfolio prägen.

Ein Value-Portfolio kann zum Beispiel sehr günstig bewertet wirken, zugleich aber viele Unternehmen mit schwacher Profitabilität, hoher Verschuldung oder erhöhten Einzeltitelrisiken enthalten. Zusätzlich kann eine solche Strategie unbeabsichtigt regionale Schwerpunkte aufbauen. Wenn sich günstig bewertete Aktien etwa stark in Europa konzentrieren, entsteht neben der Value-Ausrichtung auch eine Länder- oder Regionenwette, die möglicherweise nicht das Ziel der Strategie ist.

Ähnlich kann es bei Low Risk passieren. Eine Strategie kann Aktien mit niedrigeren Kursschwankungen auswählen und dadurch stark in Sektoren wie Versorger oder Telekommunikation investieren. Diese Unternehmen haben oft kapitalintensive Geschäftsmodelle und können stärker fremdfinanziert sein. Dadurch kann aus einer vermeintlich defensiven Low-Risk-Strategie plötzlich ein Portfolio mit erhöhter Zinssensitivität werden.

Die Beispiele zeigen: Das Risiko liegt nicht nur im Faktor selbst, sondern oft in der unzureichenden Kontrolle anderer Portfolioeigenschaften.

Warum ist Multi Faktor nicht automatisch gut diversifiziert?

Multi Faktor klingt zunächst nach einer naheliegenden Lösung. Wenn einzelne Faktoren unterschiedliche Eigenschaften haben, müsste eine Kombination daraus doch automatisch besser diversifiziert sein.

So einfach ist es nicht. Wenn Faktoren nur mechanisch zusammengelegt werden, kann ein einzelner Faktor das Portfolio dominieren. Dann steht zwar Multi Faktor auf der Strategie, tatsächlich wird die Performance aber vor allem von einem Treiber bestimmt.

Besonders relevant ist das bei Faktoren, die ein höheres relatives Risiko mitbringen können, etwa Size, Momentum oder Low Risk. Schon ein geringeres Exposure kann hier einen großen Einfluss auf das Portfoliorisiko haben. Eine echte Multi Faktor-Strategie muss deshalb nicht nur mehrere Faktoren enthalten, sondern deren Risikobeiträge bewusst steuern.

Für Anlegerinnen und Anleger ist die zentrale Frage daher nicht: Wie viele Faktoren stehen im Namen? Wichtiger ist: Wie stark prägt jeder einzelne Faktor tatsächlich das Portfolio?

Warum ist die Portfoliokonstruktion entscheidend für eine Faktorstrategie?

Die Qualität einer Faktorstrategie entscheidet sich vor allem in der Portfoliokonstruktion. Denn Faktoren lassen sich nicht sauber isolieren, indem man einfach die scheinbar passenden Einzelaktien auswählt.

Würde man immer mehr Filter auf einzelne Aktien anwenden, blieben am Ende nur wenige Unternehmen übrig. Diese Unternehmen wären sich zudem häufig sehr ähnlich. Das kann zu starken Konzentrationsrisiken führen und das Portfolio anfällig machen.

Sauberes Factor Investing funktioniert daher auf Portfolioebene. Einzelne Aktien müssen nicht jede gewünschte Eigenschaft perfekt erfüllen. Entscheidend ist, dass das Gesamtportfolio die gewünschte Faktor-Ausrichtung zeigt und unerwünschte Abweichungen kontrolliert.

Dazu gehört auch der Vergleich mit einer Benchmark. Wenn ein Portfolio in einem Land, einem Sektor oder einem Faktor keine relevante Abweichung gegenüber der Benchmark hat, entsteht daraus auch kein entsprechendes relatives Risiko. Genau diese Logik macht Risiko-Management zu einem Teil der Strategie selbst.

Was hat Apple in einem Value-Size-Portfolio zu suchen?

Auf den ersten Blick wirkt Apple in einem Value-Size-Portfolio widersprüchlich. Apple ist kein kleines Unternehmen und gilt auch nicht automatisch als klassische Value-Aktie. Genau daran lässt sich aber zeigen, warum Factor Investing nicht über einzelne Aktienetiketten funktioniert.

Entscheidend ist der Unterschied zwischen Position und Positionierung. Eine Position bedeutet nur, dass eine Aktie im Portfolio enthalten ist. Die Positionierung zeigt dagegen, ob diese Aktie im Vergleich zum breiten Markt über- oder untergewichtet ist.

Ein Portfolio kann Apple also enthalten und trotzdem klar gegen Apple positioniert sein. Wenn Apple im breiten Markt zum Beispiel rund 4,4 Prozent ausmacht, eine Strategie aber nur 0,4 Prozent hält, ist Apple zwar im Portfolio vertreten, gegenüber dem Markt aber deutlich untergewichtet.

Diese kleine Position kann dennoch sinnvoll sein. Apple kann dabei helfen, bestimmte Eigenschaften des Gesamtportfolios zu steuern, etwa wie stark das Portfolio auf Bewegungen des Gesamtmarktes reagiert. Genau das meint Marktbeta: Es beschreibt, wie empfindlich ein Portfolio grundsätzlich auf Marktbewegungen reagiert.

Die Value-Size-Ausrichtung geht dadurch nicht verloren. Entscheidend ist, dass Apple relativ zum Markt deutlich niedriger gewichtet bleibt. Das Beispiel zeigt: Bei einer Faktorstrategie zählt nicht nur, welche Aktien enthalten sind, sondern wie das gesamte Portfolio im Vergleich zum Markt ausgerichtet ist.

Wie kann ein Pure Faktor-Ansatz helfen, Faktorprämien gezielter herauszuarbeiten?

Zur Einordnung des Ansatzes lassen sich vier Dimensionen unterscheiden: Die ökonomische Zielsetzung, die Grenzen einer einzelaktienbasierten Faktorbetrachtung, die technische Umsetzung über Portfolio-Optimierung und der daraus entstehende Nutzen für die Risikosteuerung.

  • Ziel des Pure Faktor-Ansatzes: Ein Pure Faktor-Ansatz versucht, eine Faktorprämie möglichst sauber herauszuarbeiten. Vereinfacht gesagt: Das Portfolio soll sich vom breiten Markt möglichst nur in dem Faktor unterscheiden, der bewusst angesteuert wird. Alles andere soll so weit wie möglich kontrolliert werden. Bei einem Pure-Value-Portfolio wäre der gewünschte Unterschied zum breiten Markt also die niedrigere Bewertung. Das Portfolio soll günstiger bewertet sein als der Markt. Gleichzeitig sollen andere Eigenschaften möglichst nicht unbeabsichtigt abweichen. Dazu gehören zum Beispiel Ländergewichtung, Sektorstruktur, Profitabilität, Verschuldung, durchschnittliche Unternehmensgröße, Marktrisiko und aktienspezifische Risiken.
  • Warum einfache Aktienfilter nicht ausreichen: Genau deshalb reicht es nicht, einfach nur die günstigsten Aktien herauszufiltern. Dann würden oft nur wenige Unternehmen übrig bleiben, die sich sehr ähnlich sind. Das kann neue Konzentrationsrisiken schaffen. Außerdem kann ein sehr günstiges Unternehmen zugleich schwächer profitabel, stärker verschuldet oder riskanter sein. Dann wäre das Portfolio nicht nur "Value", sondern auch eine Wette auf andere Eigenschaften. Der Pure Faktor-Ansatz löst dieses Problem nicht auf Ebene einzelner Aktien, sondern auf Portfolioebene. Einzelne Aktien müssen nicht alle gewünschten Eigenschaften perfekt erfüllen. Entscheidend ist, dass sich ihre Eigenschaften im Gesamtportfolio so ergänzen, dass die gewünschte Faktorprämie sichtbar wird und unerwünschte Risiken kontrolliert bleiben.
  • Umsetzung über Portfolio-Optimierung: Technisch geschieht das über eine Portfolio-Optimierung. Dabei wird nicht nur gefragt: Welche Aktien passen zum Faktor? Es wird zusätzlich geprüft: Weicht das Portfolio zu stark von bestimmten Ländern, Sektoren oder anderen Faktoren ab?

    Im globalen Aktienmarkt können dabei zum Beispiel gut 20 Länder, elf Sektoren und mehrere Faktoren gleichzeitig berücksichtigt werden. Diese Dimensionen müssen beidseitig kontrolliert werden. Das heißt: Das Portfolio soll weder deutlich zu viel noch deutlich zu wenig in einem Land, einem Sektor oder einem unerwünschten Faktor investiert sein.

  • Nutzen für Anlegerinnen und Anleger: Der Nutzen liegt in der Klarheit. Wenn ein Pure-Value-Portfolio nach dieser Kontrolle weiterhin günstiger bewertet ist als der breite Markt, dann ist die Value-Ausrichtung deutlich sauberer sichtbar. Anlegerinnen und Anleger können besser erkennen, welches Risiko bewusst eingegangen wird und welche Risiken nur unerwünschte Begleiterscheinungen wären.

    So wird Factor Investing präziser: Nicht das einzelne perfekte Unternehmen steht im Mittelpunkt, sondern ein breit konstruiertes Portfolio, das die gewünschte Faktorprämie möglichst klar isoliert und andere Risiken begrenzt.

Fazit: Worauf kommt es bei Factor Investing wirklich an?

Factor Investing ist mehr als die einfache Auswahl von Aktien mit bestimmten Eigenschaften. Im Kern geht es darum, systematisch in Faktorprämien zu investieren, für die es ein ökonomisches Rational gibt. Anlegerinnen und Anleger gehen also bewusst bestimmte Risiken ein, weil sie dafür langfristig eine Renditeprämie erwarten.

Entscheidend ist dabei jedoch, dieses Risiko möglichst präzise zu definieren. Eine günstige Bewertung, eine kleinere Marktkapitalisierung, positives Momentum oder niedrigeres Risiko sind keine isolierten Eigenschaften einzelner Aktien. Jedes Unternehmen hat mehrere Charakteristika gleichzeitig. Wer eine Aktie nur als Value-, Quality-, Momentum- oder Low-Risk-Aktie betrachtet, vereinfacht die Realität zu stark.

Deshalb entscheidet sich die Qualität einer Faktorstrategie nicht am Faktorlabel, sondern an der Portfoliokonstruktion. Ein sauber konstruiertes Faktorportfolio muss zeigen, worin es bewusst vom breiten Markt abweicht und worin nicht. Länder-, Sektor-, Einzeltitel- und andere Faktorrisiken sollten nicht zufällig entstehen, sondern gezielt kontrolliert werden. Denn nur wenn ein Portfolio keine unbeabsichtigten Abweichungen aufbaut, können daraus auch keine unerwünschten relativen Risiken entstehen.

Der Pure Faktor-Ansatz bringt diese Logik auf den Punkt. Nicht das einzelne perfekte Unternehmen steht im Mittelpunkt, sondern ein breit aufgestelltes Portfolio, das die gewünschte Faktorprämie möglichst rein herausarbeitet. So wird Factor Investing von einem einfachen Aktienfilter zu einem strukturierten Investmentansatz: Anlegerinnen und Anleger setzen nicht auf ein Etikett, sondern auf eine klar definierte Faktorprämie und eine kontrollierte Umsetzung auf Portfolioebene.

Factor Investing in der Praxis

Wie lässt sich ein Pure Faktor-Ansatz umsetzen?

Das globale Kerninvestment für die Langstrecke