Assenagon-Studie: Yen-Intervention von den USA und Japan soll den US-Anleihemarkt stabilisieren

- Japan und die USA haben gemeinsam Yen gekauft, nachdem die japanische Währung auf den niedrigsten Stand seit 1986 gefallen war.
- Die USA dürften damit auch eigene Interessen verfolgen: Weitere Verkäufe US-amerikanischer Staatsanleihen durch Japan könnten die ohnehin hohen US-Zinsen zusätzlich steigen lassen.
- Die FIMA-Fazilität kann Japan vorübergehend Dollar bereitstellen, ohne dass das Land dafür US-Staatsanleihen verkaufen muss. Sie gewinnt jedoch nur Zeit und löst die grundlegenden Probleme nicht.
Ende Juli kauften die USA und Japan im Rahmen einer koordinierten Devisenintervention Yen. Zuvor war der Wechselkurs auf mehr als 163 Yen je US-Dollar gestiegen und der Yen damit auf den niedrigsten Stand seit 1986 gefallen. Schätzungen beziffern das Gesamtvolumen der Aktion auf bis zu 95 Milliarden US-Dollar; der amerikanische Anteil dürfte 5 bis 10 Milliarden US-Dollar betragen haben.
In der aktuellen Assenagon-Studie analysieren Thomas Romig, Geschäftsführer und CIO Multi Asset, und Sebastian Schmider, Head of AI Solutions & Macro Analytics, warum Washington den seltenen gemeinsamen Eingriff unterstützte. Ihre These: Die Intervention sollte nicht nur den Yen stabilisieren, sondern auch zusätzlichen Verkaufsdruck auf US-Staatsanleihen – sogenannte Treasuries – begrenzen.
Yen-Intervention von USA und Japan: Zwei Ziele, ein Eingriff
Für Washington war die Beteiligung außergewöhnlich. Zuletzt hatten sich die USA 2011 an einer koordinierten Yen-Intervention beteiligt, damals gegen eine zu starke Aufwertung der japanischen Währung. Diesmal treffen die Interessen beider Länder zusammen: Japan will den Yen stützen; die USA wollen vermeiden, dass Tokio dafür große Bestände an US-Staatsanleihen verkauft. "Die Intervention stützt nicht nur den Yen. Japan ist der größte ausländische Gläubiger der USA, insofern stützen die Vereinigten Staaten damit ihren Treasury-Markt", sagt Thomas Romig.
US-Treasury-Markt: Japans Währungsreserven als Risikofaktor
Ende Mai hielten japanische öffentliche und private Investoren rund 1.143 Milliarden US-Dollar an US-Staatsanleihen. Bereits bei den japanischen Stützungsversuchen im April und Mai wurden Währungsreserven im Umfang von umgerechnet rund 77 Milliarden US-Dollar eingesetzt. Die Daten legen nahe, dass dabei auch Wertpapierbestände - darunter US-Treasuries - abgebaut wurden.
Weitere Verkäufe hätten den US-Anleihemarkt in einer angespannten Phase zusätzlich belastet. Hohe Staatsverschuldung, steigender Refinanzierungsbedarf und ein unsicherer Inflationsausblick hatten die Renditen lang laufender Treasuries bereits nach oben getrieben. Am 31. Juli erreichte die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen mit 5,27 Prozent den höchsten Stand seit 2007.
FIMA Repo Facility erklärt: Dollar-Liquidität ohne Treasury-Verkauf
Der Yen-Ankauf der USA in Höhe von 5 bis 10 Milliarden US-Dollar war im Verhältnis zur Gesamtaktion klein. Entscheidend war daher weniger die finanzielle Feuerkraft als das politische Signal und die Bereitstellung einer Infrastruktur, über die Japan Dollar erhalten kann, ohne Treasuries unmittelbar am Markt verkaufen zu müssen.
Über die FIMA Repo Facility können zugelassene ausländische Währungsbehörden bei der US-Notenbank hinterlegte Treasuries vorübergehend gegen Dollar tauschen. Ein Repo ist ein befristetes, besichertes Finanzierungsgeschäft. Japan könnte die erhaltenen Dollar anschließend am Devisenmarkt in Yen wechseln. So ließe sich zusätzlicher Verkaufsdruck auf US-Staatsanleihen zumindest zeitlich begrenzen.
Bislang zeigen die Daten jedoch keine Nutzung der Fazilität; die ausstehenden Repo-Geschäfte ausländischer Währungsbehörden lagen auch nach der Intervention bei null. "Die FIMA-Fazilität ist in dieser Episode vor allem eine Versicherung: Japan kann kurzfristig Dollar-Liquidität erhalten, ohne Treasuries auf den Markt zu werfen. Das verschafft Zeit, ersetzt aber weder geldpolitische Anpassungen in Japan noch solide US-Staatsfinanzen", erklärt Sebastian Schmider.
Folgen der Yen-Intervention für Währungen, Anleihen und Anleger
Kurzfristig kann die koordinierte Aktion spekulative Yen-Positionen zur Anpassung zwingen und starke Renditeausschläge bei lang laufenden US-Anleihen dämpfen. Mittelfristig bleibt das Dilemma bestehen: Höhere japanische Zinsen könnten den Yen stabilisieren, aber auch den Schuldendienst Japans verteuern und heimische Investoren zur Rückführung ausländischer Anlagen bewegen.
Solange die Zinsdifferenz zu den USA groß bleibt, bleiben Yen-finanzierte Carry Trades, also Strategien, bei denen Anleger günstig Yen aufnehmen und höher verzinste Anlagen kaufen, attraktiv.
Kapitalanleger sollten daher neben USD/JPY-Wechselkurs auch Japans Währungsreserven, die Nutzung der FIMA-Fazilität und die Laufzeitprämien am Treasury-Markt beobachten.
Die Studie in voller Länge finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Assenagon Perspectives.
München/Frankfurt, 25. August 2026
