Presse 01.04.2026

Geopolitik trifft Energie: Deutschlands Abhängigkeit wird zum strukturellen Risiko

  • Deutschland ist strukturell ein Energie-Preisnehmer: Die hohe Import­abhängigkeit bei Öl, Gas und Kohle macht die Volks­wirtschaft dauerhaft anfällig für geopolitische Schocks und volatile Energie­preise
  • Energiepreisschocks wirken direkt auf Inflation und Industrie: Steigende Energie­preise belasten Kaufkraft und treiben Deindustrialisierung voran 
  • Konsequenzen für Anleger werden strukturell relevant: Die anhaltende Verwundbarkeit des Standorts Deutschland erfordert eine Anpassung der Portfolio­strategie 


Die jüngste Eskalation im Nahen Osten verdeutlicht Deutschlands hohe strukturelle Anhängigkeit von Energieimporten. Im Jahr 2024 lag die Import­quote von Erdgas bei 95 Prozent, von Mineral­öl bei 98 Prozent und bei Stein­kohle sogar bei 100 Prozent, wie die jüngste Studie des unabhängigen Asset Managers Assenagon zeigt. Aufgrund dieser Import­abhängigkeit bei fossilen Energie­trägern ist Deutschland dauerhaft externen Preis­schocks ausgesetzt. Auch die Energie­wende ändere daran wenig, im Gegenteil: Der abrupte Atom­ausstieg nach 2011 habe die Abhängigkeit weiter verstärkt. 

Preisanstiege am globalen Energie­markt wirken sich direkt auf die Inflation aus, schwächen die Kaufkraft und belasten insbesondere energie­intensive Industrien. "Deutschland ist strukturell ein Preisnehmer auf den globalen Energiemärkten – mit entsprechend begrenztem wirtschaftspolitischem Handlungsspielraum", konstatiert Sebastian Schmider, Head of AI Solutions & Macro Analytics bei Assenagon.
 

Deindustrialisierung als strukturelles Risiko

Die Auswirkungen gehen weit über kurzfristige Markt­verwerfungen hinaus. Die Produktion energie-intensiver Branchen (wie Chemie, Metall und Papier) liegt seit 2023 rund 20 Prozent unter dem Niveau vor dem Ukrainekrieg – ein Indiz für eine beginnende strukturelle Deindustrialisierung. Unternehmen verlagern ihre Produktion zunehmend in Regionen mit günstigeren Energie­preisen. Dabei sind die Folgen der jüngsten Eskalationen im Nahen Osten hier noch gar nicht eingepreist. Diese dürften den Abwärtstrend wohl noch weiter verstärken. "Die strukturelle Verwundbarkeit Deutschlands ist kein zyklisches Phänomen. Anleger sollten dies in der Portfo­lio­konstruktion dauerhaft berücksichtigen", so Thomas Romig, CIO Multi Asset bei Assenagon.
 

Geopolitik verstärkt Preisdruck

Der Krieg im Nahen Osten verdeutlicht die Anfälligkeit globaler Energie­märkte. Auch ohne direkte Importbeziehungen zum Iran führen Angebotsrisiken im Persischen Golf zu steigenden Öl- und Gaspreisen. Für Deutschland drohen dadurch erneut Inflations­schübe und eine Abschwächung der wirtschaftlichen Erholung.
 

Implikationen für Anleger

Deutschland vereint strukturell hohe Energie­importabhängigkeit mit einer Industriebasis, die besonders empfindlich auf steigende Ener­giepreise reagiert. In einem Umfeld, in dem geopolitische Schocks die Energie­preise wiederholt und unvor­hersehbar treiben, kann es sich für Anleger lohnen, das Portfolio-Exposure entsprechend anzupassen, so die Assenagon-Experten: "Taktisch können Rohstoff­positionen und inflations­indexierte Anleihen helfen, akute Energiepreis- und Inflationsschübe abzufedern", sagt Romig, und Schmider ergänzt: “Strategisch spricht die anhaltende Stand­ortverwundbarkeit dafür, energie­intensive deutsche Industrie­werte selektiv unterzugewichten und Wettbewerber aus Regionen mit struk­turell günstigeren Energiekosten stärker zu berücksichtigen.”

Die Studie in voller Länge finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Assenagon Perspectives.

München/Frankfurt, 1. April 2026