KI-Investitionsboom verändert die globalen Anleihe-Indizes: Was 2027 auf Anleger zukommt

- US-Hyperscaler emittierten binnen zwei Jahren Anleihen über fast 400 Milliarden US-Dollar.
- Investitionen von rund 5,5 Billionen US-Dollar dürften die Indexgewichte bis 2029 deutlich verschieben.
- Schuldenbasierte Indizes erhöhen Konzentrationsrisiken: Aktive Titelselektion gewinnt an Bedeutung.
Die US-Hyperscaler entwickeln sich in rasantem Tempo zu prägenden Emittenten am Unternehmensanleihemarkt. Die aktuelle Studie des Asset Managers Assenagon zeigt, wie die KI-Investitionswelle Emissionsvolumen, Laufzeiten und Indexgewichte am Fixed Income-Markt verschiebt. Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft, Oracle und SpaceX haben in den vergangenen zwei Jahren Anleihen im Volumen von insgesamt 392 Milliarden US-Dollar begeben.
Nach Marktschätzungen dürften diese Investitionsausgaben bis 2029 sogar auf rund 5,5 Billionen US-Dollar steigen. Die Fixed Income-Experten von Assenagon rechnen mit deutlichen Verschiebungen in den globalen Anleihe-Indizes, aufgrund der stetig wachsenden Emissionsvolumina: "Am Anleihemarkt belohnt die Indexmechanik nicht Qualität, sondern Verschuldung: Je mehr Schulden ein Emittent aufnimmt, desto höher fällt sein Indexgewicht aus", sagt Robert Van Kleeck, Head of Credit Portfolio Management und fügt hinzu: "Bei Assenagon setzen wir deshalb auf eine aktive Auswahl und selektieren Emittenten nach ihrer Bonität, Bewertung und ihrem Risiko-Rendite-Potenzial, nicht nach der Höhe ihrer Schulden. Basis dafür ist unser eigens entwickeltes Rating-Modell."
Wachsende Volumina, längere Laufzeiten und neue Währungen
Die Emissionswelle der Tech-Giganten verändert nicht nur das Volumen, sondern auch die Laufzeitenstruktur am Anleihemarkt. 41 Prozent der Hyperscaler-Emissionen laufen länger als zehn Jahre. Zum Vergleich: Im Euro-Investment-Grade-Markt liegt dieser Anteil lediglich bei 7 Prozent. Zugleich weitet sich die Finanzierung über den US-Dollar hinaus auf nahezu alle bedeutenden Währungsräume aus. Im Euro-Markt wurden bereits rund 35 Milliarden Euro platziert. Damit erreichen die neuen Emissionen zunehmend auch in Euro denominierte Unternehmensanleihe-Portfolios.
Kapitalbedarf verschiebt die Indexgewichte
Nach den in der Analyse verwendeten Marktschätzungen summieren sich die Investitionsausgaben der sechs Unternehmen bis 2029 auf rund 5,5 Billionen US-Dollar. Selbst wenn nur rund 20 Prozent davon über den Anleihemarkt finanziert werden, könnte ihre Verschuldung bis 2029 auf rund 1,1 Billionen US-Dollar steigen.
Da klassische Unternehmensanleihe-Indizes Emittenten nach dem ausstehenden Schuldenvolumen gewichten, führt zusätzlicher Kapitalbedarf automatisch zu höheren Indexanteilen. In der Modellrechnung für 2029 wären SpaceX mit 1,87 Prozent, Amazon mit 1,48 Prozent und Oracle mit 1,45 Prozent die drei größten Emittenten in einem globalen Investment Grade-ETF. Noch im August 2025 wurde die Spitzengruppe vollständig von Banken angeführt.
Die Indexgewichtung bildet Bonität nicht ab
Die wachsende Bedeutung der Technologieemittenten sagt wenig über ihre individuelle Kreditqualität aus. Die Assenagon-Analyse zeigt erhebliche Unterschiede bei Schuldendienstfähigkeit, Verschuldungsgrad, Profitabilität und Kapitalrendite. Besonders deutlich fällt die Abweichung zwischen externem und internem Rating bei Oracle und SpaceX aus: Während die Agenturratings noch im Investment-Grade-Bereich liegen, kommt die interne Fundamentalanalyse von Assenagon zu deutlich niedrigeren Bonitätseinschätzungen. Die anschließend gestiegenen Risikoaufschläge beider Emittenten unterstreichen, wie wichtig eine frühzeitige Analyse der Verschuldungsentwicklung ist.
Aktive Titel-Selektion setzt auf drei Ebenen an
Aus Sicht von Assenagon reicht es deshalb nicht aus, die künftigen Indexgewichte passiv nachzubilden. Für ein aktiv gesteuertes Unternehmensanleihe-Portfolio sind drei Entscheidungen maßgeblich:
- Emittenten nach Fundamentaldaten, Ausfallrisiko und erwarteter Bonitätsentwicklung auswählen.
- Innerhalb eines Emittenten die attraktivste Anleihe nach Laufzeit, Währung und Kreditrisikoprämie bestimmen.
- Positionen nach Attraktivität und Risiko statt nach dem ausstehenden Schuldenvolumen steuern.
Welche Unterschiede dabei entstehen können, zeigt das Beispiel Alphabet. Nach Absicherung des Währungsrisikos boten auf Pfund lautende Anleihen laut Analyse rund 30 Basispunkte mehr Renditeaufschlag als vergleichbare Euro-Anleihen. Ein indexnahes Portfolio kauft dagegen grundsätzlich alle indexfähigen Emissionen, unabhängig davon, ob ihre Bewertung im Vergleich attraktiv ist.
Hier finden Sie die Studie in voller Länge sowie ein druckfähiges Foto von Robert Van Kleeck zum Download.
München/Frankfurt, 23. September 2026