Presse 23.09.2026

KI-Investitionsboom verändert die globalen Anleihe-Indizes: Was 2027 auf Anleger zukommt

  • US-Hyperscaler emittierten binnen zwei Jahren Anleihen über fast 400 Milliarden US-Dollar.
  • Investitionen von rund 5,5 Billionen US-Dollar dürften die Indexgewichte bis 2029 deutlich verschieben.
  • Schuldenbasierte Indizes erhöhen Konzentrationsrisiken: Aktive Titelselektion gewinnt an Bedeutung. 

 

Die US-Hyperscaler entwickeln sich in rasantem Tempo zu prägenden Emittenten am Unternehmens­anleihe­markt. Die aktuelle Studie des Asset Managers Assenagon zeigt, wie die KI-Investitions­welle Emissions­volumen, Lauf­zeiten und Index­gewichte am Fixed Income-Markt verschiebt. Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft, Oracle und SpaceX haben in den vergangenen zwei Jahren Anleihen im Volumen von insgesamt 392 Milliarden US-Dollar begeben. 

Nach Markt­schätzungen dürften diese Investitions­ausgaben bis 2029 sogar auf rund 5,5 Billionen US-Dollar steigen. Die Fixed Income-Experten von Assenagon rechnen mit deutlichen Verschiebungen in den globalen Anleihe-Indizes, aufgrund der stetig wachsenden Emissions­volumina: "Am Anleihe­markt belohnt die Index­mechanik nicht Qualität, sondern Verschuldung: Je mehr Schulden ein Emittent aufnimmt, desto höher fällt sein Index­gewicht aus", sagt Robert Van Kleeck, Head of Credit Portfolio Management und fügt hinzu: "Bei Assenagon setzen wir deshalb auf eine aktive Auswahl und selektieren Emittenten nach ihrer Bonität, Bewertung und ihrem Risiko-Rendite-Potenzial, nicht nach der Höhe ihrer Schulden. Basis dafür ist unser eigens entwickeltes Rating-Modell."
 

Wachsende Volumina, längere Laufzeiten und neue Währungen 

Die Emissionswelle der Tech-Giganten verändert nicht nur das Volumen, sondern auch die Laufzeiten­struktur am Anleihe­markt. 41 Prozent der Hyperscaler-Emissionen laufen länger als zehn Jahre. Zum Vergleich: Im Euro-Investment-Grade-Markt liegt dieser Anteil lediglich bei 7 Prozent. Zugleich weitet sich die Finanzierung über den US-Dollar hinaus auf nahezu alle bedeutenden Währungs­räume aus. Im Euro-Markt wurden bereits rund 35 Milliarden Euro platziert. Damit erreichen die neuen Emissionen zunehmend auch in Euro denominierte Unternehmensanleihe-Portfolios. 
 

Kapitalbedarf verschiebt die Indexgewichte 

Nach den in der Analyse verwendeten Markt­schätzungen summieren sich die Investitions­ausgaben der sechs Unternehmen bis 2029 auf rund 5,5 Billionen US-Dollar. Selbst wenn nur rund 20 Prozent davon über den Anleihemarkt finanziert werden, könnte ihre Verschuldung bis 2029 auf rund 1,1 Billionen US-Dollar steigen. 

Da klassische Unternehmensanleihe-Indizes Emittenten nach dem ausstehenden Schulden­volumen gewichten, führt zusätzlicher Kapital­bedarf automatisch zu höheren Index­anteilen. In der Modell­rechnung für 2029 wären SpaceX mit 1,87 Prozent, Amazon mit 1,48 Prozent und Oracle mit 1,45 Prozent die drei größten Emittenten in einem globalen Investment Grade-ETF. Noch im August 2025 wurde die Spitzen­gruppe vollständig von Banken angeführt.
 

Die Indexgewichtung bildet Bonität nicht ab

Die wachsende Bedeutung der Technologie­emittenten sagt wenig über ihre individuelle Kredit­qualität aus. Die Assenagon-Analyse zeigt erhebliche Unterschiede bei Schulden­dienstfähigkeit, Verschuldungs­grad, Profitabilität und Kapital­rendite. Besonders deutlich fällt die Abweichung zwischen externem und internem Rating bei Oracle und SpaceX aus: Während die Agentur­ratings noch im Investment-Grade-Bereich liegen, kommt die interne Fundamental­analyse von Assenagon zu deutlich niedrigeren Bonitäts­einschätzungen. Die anschließend gestiegenen Risiko­aufschläge beider Emittenten unterstreichen, wie wichtig eine frühzeitige Analyse der Verschuldungs­entwicklung ist.
 

Aktive Titel-Selektion setzt auf drei Ebenen an

Aus Sicht von Assenagon reicht es deshalb nicht aus, die künftigen Index­gewichte passiv nachzubilden. Für ein aktiv gesteuertes Unternehmens­anleihe-Portfolio sind drei Entscheidungen maßgeblich:

  • Emittenten nach Fundamental­daten, Ausfallrisiko und erwarteter Bonitäts­entwicklung auswählen.
  • Innerhalb eines Emittenten die attraktivste Anleihe nach Laufzeit, Währung und Kredit­risikoprämie bestimmen.
  • Positionen nach Attraktivität und Risiko statt nach dem ausstehenden Schulden­volumen steuern.

Welche Unterschiede dabei entstehen können, zeigt das Beispiel Alphabet. Nach Absicherung des Währungs­risikos boten auf Pfund lautende Anleihen laut Analyse rund 30 Basis­punkte mehr Rendite­aufschlag als vergleichbare Euro-Anleihen. Ein indexnahes Portfolio kauft dagegen grundsätzlich alle index­fähigen Emissionen, unabhängig davon, ob ihre Bewertung im Vergleich attraktiv ist.
 

Hier finden Sie die Studie in voller Länge  sowie ein druckfähiges Foto von Robert Van Kleeck zum Download.

 

München/Frankfurt, 23. September 2026