Renaissance der Value-Aktien: Assenagon-Studie legt strukturelle Marktverschiebungen offen

- Trendwechsel an den Aktienmärkten: Nach einem von US-Mega-Caps und Momentum-Faktor dominierten Jahr 2024 rückten seit 2025 klassische Value-Aktien wieder in den Fokus
- Deutliche Outperformance: 2025 erzielten Value-Strategien eine klare Überrendite gegenüber dem globalen Aktienmarkt
- Strukturelle Effekte verstärken Rendite: Die Outperformance europäischer Aktien und Ländergewichtungen trieben einen Teil der Value-Performance zusätzlich
Das Jahr 2025 war ein gutes Jahr für Aktien und markierte gleichzeitig eine Trendwende. Viele wichtige Aktien-Indizes erzielten zweistellige Renditen. Unter der Oberfläche globaler Benchmarks zeigten sich jedoch spannende strukturelle Marktverschiebungen, wie die aktuelle Studie des unabhängigen Asset Managers Assenagon nun eindrucksvoll offenlegt.
Während das Jahr 2024 stark von wenigen großen US-Technologiewerten und dem Momentum-Faktor geprägt war, erlebten 2025 insbesondere Value-Aktien eine Renaissance. "Nach mehreren Jahren, in denen vor allem große US-Technologieunternehmen die Marktperformance bestimmten, haben wir 2025 eine klare Rotation hin zu breiter aufgestellten und moderater bewerteten Unternehmen gesehen", sagt Daniel Jakubowski, Head of Equity Portfolio Management bei Assenagon. "Value-Aktien profitierten besonders von einem Umfeld aus sinkender Inflation, moderaten Zinssenkungen und einer insgesamt robusten globalen Konjunktur."
Value-Faktor mit klarer Überrendite
2025 löste der Value-Faktor die dominierenden US-Mega-Caps und den Momentum-Faktor als wichtigsten Performancetreiber am Aktienmarkt ab. Eine kontrollierte Pure Value-Strategie erzielte rund sechs Prozent Überrendite gegenüber dem globalen Aktienmarkt, während klassische Value-Indexstrategien, die für gängige Faktor-ETFs verwendet werden, sogar etwa 15 Prozent Outperformance erreichten.
Das Umfeld begünstigte diese Entwicklung deutlich. In den großen Industrieländern näherte sich die Inflation der Zwei-Prozent-Marke, wodurch Zentralbanken moderate Zinssenkungen einleiten konnten. Gleichzeitig blieb die globale Konjunktur stabil. "In solchen prozyklischen Marktphasen profitieren Value-Titel häufig überdurchschnittlich, da viele dieser Unternehmen aus zyklischen Branchen wie Industrie, Finanzwesen oder Rohstoffen stammen", so Sebastian Schmider, Head of AI Solutions & Macro Analytics bei Assenagon.
Europa als zusätzlicher Performancefaktor
Ein Teil der besonders starken Performance klassischer Value-Indexstrategien lässt sich allerdings nicht allein durch die Faktorprämie erklären. Vielmehr spielten strukturelle Abweichungen in der Länderallokation eine wichtige Rolle. Value-Indizes gewichten aufgrund niedrigerer Bewertungsniveaus traditionell europäische Aktien stärker und US-Aktien schwächer. Während diese Übergewichtung Europas von 2020 bis 2024 zu einer signifikanten Underperformance führte, erwies sie sich 2025 als Vorteil: Europäische Aktienmärkte entwickelten sich deutlich besser als der globale Aktienmarkt, während US-Aktien hinter der Benchmark zurückblieben.
Der Effekt wurde zusätzlich durch die Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro verstärkt, die US-Investments für europäische Anleger verteuerte und gleichzeitig europäische Aktien relativ attraktiver machte.
Faktorprämien gezielt isolieren
Die Analyse zeigt zugleich, dass strukturelle Nebeneffekte wie Länder- oder Sektorverzerrungen die eigentliche Faktorprämie überlagern können. Während Value-Indexstrategien häufig implizite Länder- oder Sektorwetten enthalten, versuchen sogenannte Pure Factor-Ansätze, diese Effekte gezielt zu neutralisieren und damit die zugrundeliegende Stilprämie präziser abzubilden. "Für Investoren ist entscheidend, zwischen echter Faktorprämie und strukturellen Nebeneffekten zu unterscheiden", sagt Jakubowski und Schmider ergänzt: "Nur wenn Länder-, Sektor- und Faktoreinflüsse kontrolliert werden, lässt sich die zugrunde liegende Faktorprämie zuverlässig vereinnahmen. Wer gezielt auf Faktorprämien setzen möchte, sollte strukturelle Nebeneffekte durch eine aktive Risikokontrolle neutralisieren, statt sie dem Zufall zu überlassen." Demnach seien aktive Entscheidungen in der Länderallokation eher in der taktischen, denn in der strategischen Asset-Allokation zu verorten, so die Experten von Assenagon.
Eine ausführliche Darstellung der relativen Faktor- und Länder-Performances im Vergleich zum globalen Aktienmarkt sowie der konkreten Treiber der Value-Outperformance finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Assenagon Equity Insights.
München/Frankfurt, 24. März 2026