Was unter der Nasdaq-Oberfläche brodelt
VOLATILITY SPOTLIGHT | JULI 2026

- Nasdaq-Volatilität: Warum ein höheres Niveau nicht automatisch als teuer einzustufen ist.
- Halbleiteraktien verändern das Risikoprofil des Nasdaq 100: Die deutlich gestiegene Gewichtung volatiler Einzeltitel erhöht deren Beitrag zur Indexvolatilität spürbar.
- Niedrigere Korrelation dämpft den Volatilitätsanstieg nur teilweise.

Die naheliegendste Schlussfolgerung ist an den Kapitalmärkten nicht selten die trügerischste. Die implizite Volatilität des Nasdaq 100 bewegt sich nahe ihrem bisherigen Jahreshoch. Auf den ersten Blick mag dies teuer erscheinen. Eine solche Einschätzung greift jedoch zu kurz. Denn Indexvolatilität ist keine isoliert zu betrachtende Größe. Sie ergibt sich im Wesentlichen aus drei veränderlichen Komponenten: der Volatilität der Einzeltitel, deren Korrelation untereinander sowie der Zusammensetzung des Index.
Folglich kann die Volatilität eines Index aus unterschiedlichen Gründen steigen: weil die einzelnen Aktien volatiler werden, weil sie sich stärker im Gleichlauf bewegen oder weil sich der Index stärker auf besonders volatile Titel konzentriert. Genau deshalb ist ein höheres Volatilitätsniveau im Nasdaq 100 nicht automatisch teuer – ebenso wenig wie ein niedrigeres Niveau automatisch günstig ist.
Was hat sich 2026 verändert?
Eine zentrale Rolle spielte der Halbleitersektor. Während dessen Indexgewicht zuvor in erheblichem Maße von NVIDIA bestimmt wurde, stieg die Gewichtung der übrigen Halbleiterwerte von rund 15 Prozent auf nahezu 30 Prozent. Mit den steigenden Aktienkursen gewannen Unternehmen wie Micron, AMD und Intel nicht nur für die Wertentwicklung des Nasdaq 100 an Bedeutung, sondern auch für dessen Risikoprofil. Die durchschnittliche implizite einjährige Volatilität dieser Unternehmen weitete sich deutlich aus und überschritt zeitweise sogar die Marke von 80 Volatilitätspunkten (siehe Grafik 1).
Üblicherweise geht ein Anstieg der impliziten Volatilität mit einer höheren impliziten Korrelation einher. In diesem Fall zeigte sich jedoch ein anderes Bild: Die implizite Nasdaq-Korrelation ist seit Januar 2026 um rund drei Prozentpunkte gesunken. Dadurch wurde ein Teil des Drucks aus der steigenden Einzeltitelvolatilität kompensiert.
Diese Konstellation hat erhebliche Folgen für die implizite Volatilität des Nasdaq 100. Eine Aktie mit hoher Volatilität und geringem Indexgewicht kann bereits relevant sein. Eine Aktie mit hoher Volatilität und zugleich hohem Indexgewicht ist es umso mehr. Der Nasdaq 100 trägt zwar denselben Namen wie zu Jahresbeginn. Aus Risikoperspektive ist er jedoch nicht mehr dasselbe Portfolio.
Grafik 1: Implizite Volatilität von Halbleiteraktien erreicht höchsten Stand seit der Finanzkrise

Damit greift die Aussage "Die Nasdaq-Volatilität ist gestiegen" zu kurz. Treffender ist: Die deutlich höhere Einzeltitelvolatilität im Halbleitersektor und dessen zunehmende Indexgewichtung haben die Volatilität des Nasdaq 100 nach oben getrieben. Die niedrigere implizite Korrelation wirkte zwar dämpfend, konnte diesen Effekt jedoch nur teilweise ausgleichen.
Grafik 2: Der Anstieg der durchschnittlichen einjährigen impliziten Einzeltitelvolatilität im Nasdaq 100 wurde teilweise durch eine niedrigere implizite Korrelation abgefedert

Ist die Nasdaq-Volatilität tatsächlich teuer – oder nur folgerichtig höher?
Die implizite Volatilität des Nasdaq 100 liegt nahe ihrem bisherigen Hoch im Jahr 2026. Entscheidend ist jedoch nicht allein das absolute Niveau, sondern die Veränderung der zugrunde liegenden Treiber. Der Halbleitersektor war doppelt relevant: durch deutlich höhere Einzeltitelvolatilitäten und eine zugleich stark gestiegene Indexgewichtung. Die gesunkene Korrelation wirkte dem Anstieg der Indexvolatilität zwar entgegen, konnte ihn jedoch nur teilweise kompensieren.
Für den Anleger
Die Bewertung der Nasdaq-Volatilität sollte nicht allein auf historischen Vergleichen beruhen. Zwar erscheint das aktuelle Niveau auf den ersten Blick hoch, die Analyse ihrer Treiber zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Für Anleger ist daher entscheidend, nicht nur das absolute Volatilitätsniveau, sondern auch die Entwicklung von Einzeltitelvolatilität, Konzentration und Korrelation im Blick zu behalten, da diese Faktoren das Risikoprofil des Index maßgeblich bestimmen.
Meinungen hierzu sind herzlich willkommen.
Tobias Knecht & Daniel Danon

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