Presse 11.06.2026

Wenn wenige Aktien den Markt tragen: warum Equal Weight allein trotzdem nicht reicht

  • Studie zeigt: historisch gingen hohe Aktienbewertungen häufig mit niedrigeren realen Folgerenditen einher
  • Hohe Bewertungen treffen auf starke Marktkonzentration: Kapitalisierungsgewichtete Indizes hängen an wenigen Mega Caps
  • Equal Weight reduziert Klumpenrisiken, muss aber durch systematische Qualitäts- und Risikokontrolle ergänzt werden


Hohe Unternehmens­bewertungen, eine ausgeprägte Markt­konzentration und die Suche nach Alternativen zur klassischen Kapitalisierungs­gewichtung prägen das aktuelle Aktien­marktumfeld. Die neue Assenagon-Studie analysiert Bewertungen und Markt­konzentration auf Basis historischer Markt­entwicklungen. Die Datenbasis deutet langfristig auf ein anspruchsvolles Rendite­umfeld hin. Equal Weight, also die Gleich­gewichtung aller Titel in einem Aktien­korb, kann Klumpen­risiken spürbar verringern. Wird der Ansatz jedoch undifferenziert umgesetzt, können neue Risiken ins Portfolio gelangen. Wie sich Gleich­gewichtung systematisch und risiko­bewusst umsetzen lässt, zeigen die Assenagon-Experten in ihrer Studie.
 

Was das CAPE jetzt über Aktienbewertungen sagt

Ein interessanter Bezugspunkt zur historischen Einordnung des aktuellen Markt­umfelds ist das sogenannte CAPE. Es setzt das aktuelle Kurs­niveau ins Verhältnis zu den inflations­bereinigten durchschnittlichen Unternehmens­gewinnen der vergangenen zehn Jahre. Damit glättet es zyklische Gewinn­schwankungen und eignet sich als Maßstab für langfristige Bewertungs­niveaus. Historisch gilt: Je höher das Bewertungs­niveau zum Investitions­zeitpunkt, desto niedriger fielen im Durchschnitt die späteren realen Renditen aus.

"Das aktuelle CAPE von 41 (Stand: Juni 2026) ist kein kurzfristiges Verkaufs­signal. Es zeigt aber sehr deutlich, wie hoch die Anforderungen an künftiges Gewinn­wachstum und stabile Margen inzwischen geworden sind", sagt Sebastian Schmider, Head of AI Solutions und Macro Analytics bei Assenagon. "Für Anleger ist das ein wichtiger Hinweis: Hohe Bewertungen reduzieren tendenziell die erwarteten Folge­renditen und erhöhen die Abhängigkeit davon, dass ambitionierte Wachstums­erwartungen tatsächlich erfüllt werden."

Die ausführliche Daten­analyse finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Assenagon Equity Insights.
 

Warum Marktkonzentration zum Risiko wird

Neben der Bewertung rückt die Studie die Markt­konzentration als zweite zentrale Dimension in den Fokus. In breit diversifizierten Märkten verteilen sich Erwartungen auf viele Titel. In stark konzentrierten Märkten hängen sie dagegen über­proportional an wenigen Indexschwergewichten. Negative Überraschungen bei diesen Unternehmen können entsprechend stärker auf das Gesamt­ergebnis durchschlagen.

Kapitalisierungs­gewichtete Indizes bilden zunehmend die Bewertungs- und Gewinn­erwartungen weniger großer Unternehmen ab. Viele dieser Index­schwergewichte verfügen zwar über robuste Geschäfts­modelle, hohe Margen und starke Markt­positionen. Mit ihrer wachsenden Gewichtung steigt jedoch die Abhängigkeit des Anlage­ergebnisses von deren anhaltender Markt­führerschaft.
 

Wieso Equal Weight allein nicht ausreicht

Eine naheliegende Antwort auf hohe Index­konzentration ist Equal Weight. Bei gleich­gewichteten Indizes fließen alle Indexmitglieder mit derselben Gewichtung ein. Dadurch sinkt die Dominanz einzelner Mega Caps deutlich und das Portfolio verschiebt sich tendenziell in Richtung kleinerer und häufig günstiger bewerteter Unternehmen.

Die Studie warnt jedoch vor einem rein mechanischen Verständnis von Equal Weight. Niedrigere Bewertungen können auf fundamentale Attraktivität hinweisen, aber auch mit schwächerer Profitabilität, höherer Verschuldung oder erhöhten Geschäfts­risiken verbunden sein. Equal Weight reduziert also Konzentration und tendenziell die Bewertung, kann aber zugleich andere Faktor- und Qualitäts­risiken erhöhen.

"Equal Weight ist ein sinnvoller Ausgangs­punkt, aber kein vollständiges Risiko Management", sagt Daniel Jakubowski, Head of Equity Portfolio Management. "Wer die Dominanz großer Index­schwergewichte reduzieren will, sollte zugleich sicherstellen, dass hinsichtlich der Faktorausprägungen keine unerwünschten Risiken ins Portfolio wandern."
 

Implikationen für Anleger: wie ein Value Size-Ansatz Aktienrisiken steuert

Hier setzt ein systematischer Value Size-Ansatz an. Die Abkehr von der Markt­kapitalisierungs­gewichtung erfolgt nicht mechanisch. Unternehmen werden nicht allein aufgrund ihrer Index­zugehörigkeit gleichgewichtet. Vielmehr erfolgt eine gezielte Selektion und Gewichtung entlang gewünschter Value- und Size-Merkmale, während unerwünschte Qualitäts- und Risikoeigenschaften begrenzt werden.

Entscheidend ist daher nicht allein die Abkehr von der Marktkapitalisierungs­gewichtung, sondern deren Verbindung mit einer systematischen Kontrolle von Bewertung, Qualität und Risikoeigenschaften. In einem Umfeld hoher Bewertungen und enger Marktbreite kann ein gesteuerter Value Size-Ansatz eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Aktien­allokation darstellen.

 

Hier können Sie druckfähige Fotos von Daniel Jakubowski und Sebastian Schmider downloaden.


München/Frankfurt, 11. Juni 2026