Wenn wenige Aktien den Markt tragen: warum Equal Weight allein trotzdem nicht reicht

- Studie zeigt: historisch gingen hohe Aktienbewertungen häufig mit niedrigeren realen Folgerenditen einher
- Hohe Bewertungen treffen auf starke Marktkonzentration: Kapitalisierungsgewichtete Indizes hängen an wenigen Mega Caps
- Equal Weight reduziert Klumpenrisiken, muss aber durch systematische Qualitäts- und Risikokontrolle ergänzt werden
Hohe Unternehmensbewertungen, eine ausgeprägte Marktkonzentration und die Suche nach Alternativen zur klassischen Kapitalisierungsgewichtung prägen das aktuelle Aktienmarktumfeld. Die neue Assenagon-Studie analysiert Bewertungen und Marktkonzentration auf Basis historischer Marktentwicklungen. Die Datenbasis deutet langfristig auf ein anspruchsvolles Renditeumfeld hin. Equal Weight, also die Gleichgewichtung aller Titel in einem Aktienkorb, kann Klumpenrisiken spürbar verringern. Wird der Ansatz jedoch undifferenziert umgesetzt, können neue Risiken ins Portfolio gelangen. Wie sich Gleichgewichtung systematisch und risikobewusst umsetzen lässt, zeigen die Assenagon-Experten in ihrer Studie.
Was das CAPE jetzt über Aktienbewertungen sagt
Ein interessanter Bezugspunkt zur historischen Einordnung des aktuellen Marktumfelds ist das sogenannte CAPE. Es setzt das aktuelle Kursniveau ins Verhältnis zu den inflationsbereinigten durchschnittlichen Unternehmensgewinnen der vergangenen zehn Jahre. Damit glättet es zyklische Gewinnschwankungen und eignet sich als Maßstab für langfristige Bewertungsniveaus. Historisch gilt: Je höher das Bewertungsniveau zum Investitionszeitpunkt, desto niedriger fielen im Durchschnitt die späteren realen Renditen aus.
"Das aktuelle CAPE von 41 (Stand: Juni 2026) ist kein kurzfristiges Verkaufssignal. Es zeigt aber sehr deutlich, wie hoch die Anforderungen an künftiges Gewinnwachstum und stabile Margen inzwischen geworden sind", sagt Sebastian Schmider, Head of AI Solutions und Macro Analytics bei Assenagon. "Für Anleger ist das ein wichtiger Hinweis: Hohe Bewertungen reduzieren tendenziell die erwarteten Folgerenditen und erhöhen die Abhängigkeit davon, dass ambitionierte Wachstumserwartungen tatsächlich erfüllt werden."
Die ausführliche Datenanalyse finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Assenagon Equity Insights.
Warum Marktkonzentration zum Risiko wird
Neben der Bewertung rückt die Studie die Marktkonzentration als zweite zentrale Dimension in den Fokus. In breit diversifizierten Märkten verteilen sich Erwartungen auf viele Titel. In stark konzentrierten Märkten hängen sie dagegen überproportional an wenigen Indexschwergewichten. Negative Überraschungen bei diesen Unternehmen können entsprechend stärker auf das Gesamtergebnis durchschlagen.
Kapitalisierungsgewichtete Indizes bilden zunehmend die Bewertungs- und Gewinnerwartungen weniger großer Unternehmen ab. Viele dieser Indexschwergewichte verfügen zwar über robuste Geschäftsmodelle, hohe Margen und starke Marktpositionen. Mit ihrer wachsenden Gewichtung steigt jedoch die Abhängigkeit des Anlageergebnisses von deren anhaltender Marktführerschaft.
Wieso Equal Weight allein nicht ausreicht
Eine naheliegende Antwort auf hohe Indexkonzentration ist Equal Weight. Bei gleichgewichteten Indizes fließen alle Indexmitglieder mit derselben Gewichtung ein. Dadurch sinkt die Dominanz einzelner Mega Caps deutlich und das Portfolio verschiebt sich tendenziell in Richtung kleinerer und häufig günstiger bewerteter Unternehmen.
Die Studie warnt jedoch vor einem rein mechanischen Verständnis von Equal Weight. Niedrigere Bewertungen können auf fundamentale Attraktivität hinweisen, aber auch mit schwächerer Profitabilität, höherer Verschuldung oder erhöhten Geschäftsrisiken verbunden sein. Equal Weight reduziert also Konzentration und tendenziell die Bewertung, kann aber zugleich andere Faktor- und Qualitätsrisiken erhöhen.
"Equal Weight ist ein sinnvoller Ausgangspunkt, aber kein vollständiges Risiko Management", sagt Daniel Jakubowski, Head of Equity Portfolio Management. "Wer die Dominanz großer Indexschwergewichte reduzieren will, sollte zugleich sicherstellen, dass hinsichtlich der Faktorausprägungen keine unerwünschten Risiken ins Portfolio wandern."
Implikationen für Anleger: wie ein Value Size-Ansatz Aktienrisiken steuert
Hier setzt ein systematischer Value Size-Ansatz an. Die Abkehr von der Marktkapitalisierungsgewichtung erfolgt nicht mechanisch. Unternehmen werden nicht allein aufgrund ihrer Indexzugehörigkeit gleichgewichtet. Vielmehr erfolgt eine gezielte Selektion und Gewichtung entlang gewünschter Value- und Size-Merkmale, während unerwünschte Qualitäts- und Risikoeigenschaften begrenzt werden.
Entscheidend ist daher nicht allein die Abkehr von der Marktkapitalisierungsgewichtung, sondern deren Verbindung mit einer systematischen Kontrolle von Bewertung, Qualität und Risikoeigenschaften. In einem Umfeld hoher Bewertungen und enger Marktbreite kann ein gesteuerter Value Size-Ansatz eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Aktienallokation darstellen.
Hier können Sie druckfähige Fotos von Daniel Jakubowski und Sebastian Schmider downloaden.
München/Frankfurt, 11. Juni 2026