Aktiver ETF vs. aktiver Fonds – was ist der Unterschied?

Anleger stehen heute vor einer breiten Auswahl an Investmentvehikeln, von passiven Indexfonds (ETFs) bis hin zu aktiv gemanagten Fonds. In jüngerer Zeit ist jedoch ein neues Konzept aufgetaucht, das die Grenze zwischen beiden Ansätzen verwischt: Der aktive ETF. Dabei handelt es sich um einen aktiv verwalteten Investmentfonds in Form eines börsengehandelten ETFs.

Ein klassischer aktiver Fonds (auch: Aktiv gemanagter Fonds) ist hingegen ein traditioneller Investmentfonds mit aktivem Management, der meist nicht fortlaufend an der Börse gehandelt wird. Diese neue Kombination verspricht, die Vorteile beider Welten zu vereinen: Aktive Anlageentscheidungen sowie die Flexibilität und Kosteneffizienz eines ETF.

Was ist ein aktiver ETF und worin unterscheidet er sich von einem klassischen aktiven Fonds?

In diesem Artikel beantworten wir unter anderem:

Was ist ein aktiver ETF?

Ein aktiver ETF ist im Wesentlichen ein aktiv verwalteter Fonds in der Hülle eines ETFs. Das bedeutet: Anders als bei passiven Index-ETFs steuert hier ein Fondsmanager die Zusammensetzung des Portfolios aktiv. Statt starr einem Index zu folgen, entscheidet das Management gezielt, welche Wertpapiere gekauft oder verkauft werden, in welcher Gewichtung und zu welchem Zeitpunkt.

Das Ziel eines aktiven ETF ist dabei typischerweise, besser abzuschneiden als ein Vergleichsindex oder bestimmte Vorgaben zu erfüllen, etwa geringere Wertschwankungen (Volatilität), regelmäßige Erträge oder einen verbesserten Schutz vor Kursverlusten im Vergleich zur Marktentwicklung.

Für Anleger kombiniert ein aktiver ETF zwei Ansätze: Einerseits die Expertise eines aktiven Fondsmanagements, andererseits die Flexibilität und Transparenz eines börsengehandelten ETFs. So können aktive ETFs rasch auf Marktveränderungen reagieren und bieten häufig tägliche Einblicke ins Portfolio. Sie sind damit oft transparenter als traditionelle Investmentfonds.

Diese Konstruktion ist noch relativ jung, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede in Funktionsweise, Kosten und Risiken im Vergleich zum klassischen aktiven Fonds.

Ein zentraler struktureller Vorteil liegt für Anleger in der untertägigen Handelbarkeit: Anteile können während der Börsenzeiten fortlaufend gekauft oder verkauft werden. Viele aktive ETFs gewähren zudem häufigere Einblicke in die Portfoliostruktur als klassische aktive Fonds. Wichtig ist dabei: Auch klassische aktive Fonds können auf Marktveränderungen reagieren. Die laufende Börsenhandelbarkeit ist jedoch ein typisches Merkmal des ETF-Mantels.

Im Quervergleich zwischen ETF, aktivem ETF und klassischem Fonds lohnt sich ein Blick ins Detail. Denn auch mehr und mehr aktive Fonds sind über die Börse handelbar, zum Beispiel über Gettex. Die höhere Transparenz ist für Anleger häufig hilfreich, kann für den Fonds aber auch eine Kehrseite haben: Wenn Positionen sehr zeitnah sichtbar sind, lassen sich Handelsabsichten leichter ableiten, Strategien können eher nachgebildet werden und in weniger liquiden Segmenten können dadurch Transaktionskosten steigen oder Wettbewerbsnachteile entstehen.

Wie funktioniert ein aktiver ETF im Vergleich zu einem klassischen Fonds?

Im Vergleich zeigen sich die wichtigsten Unterschiede in drei Bereichen: Handelbarkeit und Struktur, Transparenz und Informationsfluss sowie Abwicklung und Liquidität.

  • Handelbarkeit und Struktur: Ein zentraler Unterschied liegt in der Art und Weise, wie Anleger die Anteile erwerben und veräußern können. ETFs, und damit auch aktive ETFs, werden an der Börse gehandelt, nicht direkt über die Fondsgesellschaft. Das bedeutet: Ihre Anteile können während der Börsenhandelszeiten laufend (intraday) ge- und verkauft werden. Der Preis bildet sich durch Angebot und Nachfrage an der Börse, ähnlich wie bei Aktien.

    Der Börsenkurs entsteht dabei fortlaufend über Geld- und Briefkurse, die in der Regel von Market Makern gestellt werden und sich am Wert des Fondsportfolios beziehungsweise seiner zugrunde liegenden Positionen orientieren.

    Klassische aktive Fonds hingegen werden traditionell über die Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) oder die Bank gehandelt. Meist erfolgt die Preisfeststellung nur einmal täglich zum Nettoinventarwert (NAV). Wer zum Beispiel Anteile eines typischen Investmentfonds kauft oder zurückgibt, erhält den Preis zum Schluss des Tages (oder des nächsten Bewertungstages).

    Dieser Unterschied macht ETFs für kurzfristige Anpassungen liquider und flexibler: Anleger können schneller auf Marktbewegungen reagieren. Allerdings kann der Marktpreis eines ETFs im Tagesverlauf geringfügig vom tatsächlichen Fondsvermögenswert abweichen, während beim klassischen Fonds jeder Anleger denselben End-of-Day-Preis erhält.

  • Transparenz und Informationsfluss: ETFs sind in der Regel verpflichtet, ihr Portfolio sehr häufig (oft täglich) offenzulegen, sodass Anleger genau sehen können, worin investiert ist. Ein aktiver ETF bildet keinen Index ab, veröffentlicht jedoch häufig seine aktuellen Positionen oder zumindest eine indikative Zusammensetzung täglich. Ein traditioneller Fonds veröffentlicht seine Bestände oft nur monatlich oder quartalsweise in Berichten.

    Für Anleger bedeutet dies: Beim aktiven ETF herrscht höhere Transparenz. Man kann nahezu in Echtzeit nachvollziehen, welche Werte im Fonds liegen. Beim aktiven Fonds muss man sich auf periodische Berichte verlassen.

  • Abwicklung und Liquidität: Durch die Börsenhandelbarkeit unterliegen ETFs einigen Besonderheiten. Professionelle Market Maker und autorisierte Teilnehmer sorgen durch Creation- und Redemption-Prozesse dafür, dass der ETF-Kurs eng am Wert des Fondsportfolios bleibt. Die Liquidität eines ETFs hängt somit sowohl vom Börsenhandel als auch von der Liquidität der zugrunde liegenden Assets ab. Bei genügend Handelsvolumen können ETFs sehr effizient gekauft und verkauft werden.

    Ein klassischer Fonds ist in der Regel immer zum NAV handelbar (solange keine außergewöhnlichen Umstände wie eine Aussetzung der Rücknahme vorliegen), jedoch nicht intraday.

    In der Praxis verschwimmen die Grenzen gelegentlich: Es gibt auch traditionelle aktive Fonds, deren Anteilsklassen an Börsen gelistet sind und die ähnlich wie ETFs gehandelt werden können. Diese Fälle sind aber eher Ausnahmen. Grundsätzlich bleibt ein aktiver ETF ein börsengehandeltes Vehikel mit laufender Kursstellung, während ein klassischer Fonds häufig auf den Direktvertrieb zum täglichen Inventarwert setzt.

Wie unterscheiden sich die Kosten von ETFs und aktiven Fonds?

Neben der Handelbarkeit spielt für viele Anleger die Kostenstruktur eine wichtige Rolle. Welche Gebühren fallen bei aktiven ETFs vs. aktiven Fonds an?

  • Laufende Kosten (TER): Klassische aktiv gemanagte Fonds haben häufig vergleichsweise hohe jährliche Gebühren für Management und Verwaltung, nicht selten rund ein bis zwei Prozent des Anlagevolumens pro Jahr. Aktive ETFs haben zwar ebenfalls höhere Kosten als passive Index-ETFs, liegen aber in der Regel unter den Gebühren klassischer Fonds. Tatsächlich bieten aktive ETFs oft eine Total Expense Ratio (TER) von nur wenigen Zehntel-Prozentpunkten, während aktive Publikumsfonds häufig über ein Prozent pro Jahr verlangen. Die Kostenersparnis resultiert teils aus effizienteren ETF-Strukturen und dem Wettbewerb mit passiven Produkten. Für Anleger bedeutet dies: Ein aktiver ETF schneidet bei den laufenden Gebühren meist günstiger ab als ein vergleichbarer aktiver Fonds, was über lange Anlagezeiträume erheblich ins Gewicht fallen kann (Stichwort Zinseszinseffekt auf Kosten).
  • Transaktionskosten und Gebühren beim Kauf/Verkauf: Ein weiterer Unterschied betrifft Einmalgebühren. Klassische Fonds verlangen beim Erwerb oft einen Ausgabeaufschlag (Initialgebühr) von beispielsweise drei bis fünf Prozent, der direkt den Anlagebetrag schmälert. Zwar gibt es heute Fonds-Tranchen ohne Ausgabeaufschlag oder Rabatte über Vermittler, doch traditionell stellt dies eine Einstiegshürde dar. ETFs kennen keinen Ausgabeaufschlag, man kauft zum aktuellen Börsenkurs ohne Aufpreis. Allerdings fallen beim ETF-Handel Ordergebühren des Brokers sowie die Geld-Brief-Spanne (Spread) an. Diese Kosten sind indirekt und abhängig vom Handelsplatz sowie der Liquidität des ETF. Unterm Strich sind ETFs bei den Kaufkosten oft günstiger für Privatanleger, insbesondere wenn man kleine Beträge investiert oder sparplanfähig anlegt (viele Broker bieten ETF-Sparpläne ohne Gebühren an). Bei großen Anlagebeträgen kann ein direkter Fondszugang ohne Spread vorteilhaft sein.
  • Vergleichbarkeit und Nettoergebnis: Wichtig ist, Kosten nie isoliert zu betrachten. Eine niedrige TER garantiert nicht automatisch die bessere Anlage, ebenso wenig wie ein hoher Ausgabeaufschlag immer schlecht ist. Entscheidend ist das Nettoergebnis nach Kosten. So können höhere Gebühren gerechtfertigt sein, wenn das Fondsmanagement durch geschickte Anlagen deutlich mehr Rendite oder geringeres Risiko erzielt. Umgekehrt nützt die günstigste Gebührenstruktur wenig, wenn die Anlagestrategie schwach performt. Daher sollten Anleger stets auf die Kosten und die Leistung schauen. In einigen Segmenten, etwa breit gestreuten Standard-Aktienmärkten, sind niedrige Kosten ein großer Vorteil, weil aktive Manager dort oft Mühe haben, den Markt nach Abzug hoher Gebühren zu schlagen. In anderen Bereichen, zum Beispiel Multi Asset-Strategien oder spezialisierte Anleihefonds, können günstigste Produkte schlechter abschneiden, weil sie wichtige Segmente meiden oder weniger Risiko-Management betreiben. Die Kunst besteht darin, vergleichbare Produkte zu beurteilen: Wenn zwei Fonds das gleiche Marktsegment abdecken, lohnt ein genauer Blick auf Kostenunterschiede. Unterscheiden sich Strategie oder Freiheitsgrade stark, relativiert sich der reine Kostenvergleich zugunsten eines Blicks auf Rendite pro Risiko.
  • Zusammengefasst: Aktive ETFs punkten meist mit niedrigerer TER und ohne Ausgabeaufschlag, wohingegen aktive Fonds traditionell höhere Gebühren aufweisen können. Allerdings fallen bei ETFs Handelskosten (Brokergebühr, Spread) an, die ein klassischer Fonds so nicht hat. Anleger sollten beide Vehikel anhand aller Kosten bewerten und dabei die erwartete Netto-Performance nach Kosten in den Vordergrund stellen.

Wie unterscheiden sich aktive ETFs und aktive Fonds im Risiko-Management?

Kosten sind wichtig, doch ebenso zentral ist für Anleger die Frage, wie die beiden Ansätze mit Risiken umgehen.

  • Marktrisiko vs. aktives Risiko-Management: Ein ETF kann sowohl passiv als auch aktiv gemanagt sein. Bei passiven Index-ETFs trägt der Anleger das systematische Marktrisiko weitgehend eins zu eins: Fällt der Index, fällt auch der ETF. Ein Management, das aktiv gegensteuert oder das Portfolio absichert, ist hier nicht vorgesehen. Bei aktiven ETFs hingegen steuert ein Management die Zusammensetzung des Portfolios und kann je nach Strategie auch Risiko-Maßnahmen umsetzen, etwa über Umschichtungen, Liquiditätsquoten oder Absicherungsstrategien. Entscheidend ist daher weniger das Etikett "ETF", sondern ob und wie aktiv das Mandat tatsächlich gesteuert wird. Aktiv gemanagte Ansätze haben zumindest die Möglichkeit, auf Risiken zu reagieren: Sie können zum Beispiel Kasse aufbauen (einen Teil des Portfolios in Liquidität halten), Umschichtungen in defensivere Anlagen vornehmen oder mittels Derivaten Absicherungsstrategien einsetzen.Ein gutes aktives Risiko-Management zielt darauf ab, große Verluste in Abschwungphasen zu begrenzen und die Schwankungen (Volatilität) des Portfolios zu steuern. Gerade bei Multi Asset- oder vermögensverwaltenden Fonds wird aktiv zwischen Anlageklassen umgeschichtet, um das Risikoprofil stabil zu halten.
  • Diversifikation und Indexvorgaben: Aktives Management bietet zudem die Chance, starre Indexprobleme zu umgehen. Viele Indizes sind marktkapitalisierungsgewichtet. Das führt mitunter zu Klumpenrisiken: Zum Beispiel machen in globalen Aktienindizes oft wenige Tech-Giganten einen großen Anteil aus, oder in Anleihe-Indizes dominieren hoch verschuldete Staaten oder Unternehmen (denn je mehr Schulden, desto größer ihr Indexanteil). Ein aktiver Fonds kann hier bewusst gegensteuern. Er kann das Portfolio breiter streuen, Obergrenzen für einzelne Positionen setzen oder qualitativ auswählen. So muss ein Anleihenmanager nicht jedem hoch verschuldeten Emittenten viel Kapital geben, nur weil es der Index tut. Eine breitere Diversifikation und unabhängige Gewichtung können das Risiko im Stressfall reduzieren, etwa indem Verluste einzelner Positionen weniger stark durchschlagen als in einem konzentrierten Index.
  • Aktive ETFs: Unterschiedlich "aktiv":  Wichtig zu beachten ist, dass aktive ETFs nicht alle gleich "aktiv" agieren. Die Übergänge zum passiven Investieren sind fließend. Einige aktive ETFs folgen zwar keinem Index, orientieren sich aber dennoch eng an einer Benchmark und weichen nur in Nuancen ab. Man spricht in solchen Fällen von indexnahen aktiven Strategien. So hat zum Beispiel ein aktiver ETF auf den MSCI World eine "Marktnähe" von 99 Prozent aufweisen können. Er investiert also sehr ähnlich wie der Index und weicht nur minimal ab. Solche Produkte werden manchmal scherzhaft als "Indexkleber" bezeichnet. Andere aktive ETFs wiederum betreiben wirklich freies Stock-Picking, also eine unabhängige Titelauswahl ohne enge Indexbindung. Bei klassischen aktiven Fonds ist die Lage ähnlich: Manche orientieren sich eng an einer Benchmark, andere haben sehr flexible Mandate. Für Anleger bedeutet das: Man sollte genau hinschauen, wie viel aktives Risiko-Management tatsächlich stattfindet. Ein Fonds, der zwar aktiv genannt wird, aber in der Praxis fast wie ein Index investiert (geringer Tracking Error), bietet wenig Vorteile gegenüber einem ETF, berechnet aber unter Umständen höhere Gebühren.
  • Chance auf Outperformance vs. Management-Risiko: Aktives Management, ob im ETF- oder Fondsformat, birgt neben Vorteilen auch ein zusätzliches Risiko: das Management-Risiko. Denn es gibt keine Garantie, dass ein aktiver Manager den Markt tatsächlich schlägt. Eine falsche Einschätzung, Timing-Probleme oder schlicht Pech können dazu führen, dass die Performance hinter dem Index zurückbleibt. In diesem Fall erleidet der Anleger eine Underperformance nach Kosten, also eine Rendite, die unter der Marktrendite liegt. Zahlreiche Studien (zum Beispiel der SPIVA-Report) zeigen, dass über lange Zeiträume viele aktive Fonds ihren Index nicht übertreffen. Dafür gibt es verschiedene Gründe, etwa Kosten oder ineffiziente Entscheidungen. Der Mehrwert aktiven Risiko-Managements hängt stark von der Qualität des Managers und seines Investmentprozesses ab. Ein guter Manager kann Risiken reduzieren und so den maximalen Verlust (Drawdown) verringern oder mit weniger Schwankung ähnliche Erträge erzielen. Ein schlechter Manager kann hingegen durch Fehlgriffe sogar schlechter abschneiden als eine Indexanlage.

Kurz gesagt: Aktive ETFs und aktive Fonds bieten die Chance auf gezielte Risikosteuerung und Mehrertrag, bringen aber das Risiko von Fehlentscheidungen und Underperformance mit sich, das ein reiner Index-ETF nicht hat.

Was bedeutet der Bid-Ask-Spread bei ETFs und warum ist er wichtig?

Neben Strategie und Risikosteuerung gibt es auch technische Aspekte bei ETFs, die es zu verstehen gilt. Ein Schlagwort in diesem Zusammenhang ist der Bid-Ask-Spread.

Definition: Der Bid-Ask-Spread (auch Geld-Brief-Spanne genannt) ist die Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufskurs eines Wertpapiers an der Börse. Genauer: Der Geldkurs (Bid) ist der Preis, den ein Käufer aktuell für einen ETF-Anteil bieten würde, der Briefkurs (Ask) ist der Preis, den ein Verkäufer verlangt. Die Differenz dazwischen nennt man den Spread.

Je kleiner der Bid-Ask-Spread, desto liquider ist das Wertpapier. Anleger bekommen dann enge Kurse gestellt und kaufen oder verkaufen näher am "wahren" Wert. Ist der Spread hingegen groß, bedeutet das, dass zwischen Kauf- und Verkaufskurs eine größere Lücke klafft, man zahlt indirekt mehr, wenn man sofort kauft und wieder verkauft.

Bedeutung für ETFs: Beim Handel von ETFs (und damit auch aktiven ETFs) stellt der Bid-Ask-Spread einen impliziten Kostenfaktor dar. Er ist praktisch der Aufschlag, den man als Anleger für die sofortige Handelbarkeit zahlt.

Beispiel: Liegt der Briefkurs eines ETFs bei EUR 100,00 und der Geldkurs bei EUR 99,50, dann beträgt der Spread EUR 0,50 beziehungsweise 0,5 Prozent. Würde man in diesem Moment kaufen und direkt wieder verkaufen, verliert man diese 0,5 Prozent durch den Spread.

In liquiden ETF-Märkten, etwa bei großen ETFs auf breite Aktienindizes, sind die Spannen in der Regel sehr gering, oft nur wenige Basispunkte, da Market Maker für einen engen Markt sorgen. In Nischenmärkten oder bei wenig gehandelten ETFs hingegen können die Spreads deutlich höher ausfallen. Das gilt in der Praxis oft für aktive ETFs, etwa wenn das Handelsvolumen geringer ist oder das Portfolio in weniger liquide Segmente investiert. Besonders in turbulenten Phasen, zum Beispiel bei Marktstress, weiten sich die Spannen häufig aus.

Warum ist das wichtig? Weil der Spread die tatsächlichen Handelskosten eines ETF-Investments erhöht. Die Total Expense Ratio (TER) deckt nur die jährlichen Verwaltungskosten ab, aber nicht die Kauf- und Verkaufskosten an der Börse. Ein Anleger, der häufig handelt oder große Summen in einen ETF investiert, muss den Spread mit einkalkulieren.

Für Privatanleger, die langfristig investieren und nur gelegentlich handeln, sind kleine Spreads meist verkraftbar. Doch bei größeren Beträgen oder sehr speziellen ETFs kann ein hoher Spread die Kostenvorteile eines ETFs teilweise zunichtemachen.

Es ist einer der Gründe, warum viele professionelle Anleger nicht jedes Investment über ETFs abwickeln. In sehr spezialisierten Bereichen kann es günstiger sein, direkt in einen Fonds (off-market) zu investieren, anstatt einen ETF mit großem Spread zu handeln. Beim Direktbezug über die Fondsgesellschaft (KVG) erhalten große Investoren oft den offiziellen Anteilspreis (NAV) ohne Marktspread, während ein ETF an der Börse je nach Marktphase spürbar höhere implizite Kosten verursachen kann.

Kurz gesagt: Der Bid-Ask-Spread ist bei ETFs ein wichtiger Kostenfaktor, der vor allem in weniger liquiden Märkten ins Gewicht fällt. Anleger sollten darauf achten, möglichst liquide ETFs zu wählen (hohes Handelsvolumen, Market Maker mit engen Spreads) und Orders intelligent zu platzieren, zum Beispiel mit Limit. Dann bleibt der Spread geringer und die Handelbarkeit ein Vorteil.

Aktiver ETF oder aktiver Fonds: Was ist besser?

Zum Schluss kommen wir zur naheliegenden Frage: Welches Anlagevehikel ist nun die bessere Wahl, aktiver ETF oder klassischer aktiver Fonds? Es kommt darauf an. Beide haben Stärken und Schwächen, und welches Vehikel besser passt, hängt von den individuellen Zielen, dem Marktsegment und den Bedürfnissen des Anlegers ab. Einen generellen Sieger gibt es nicht, vielmehr ergänzen sich aktive ETFs und aktive Fonds je nach Situation.

Vorteile aktiver ETFs

  • Ein aktiver ETF kann ideal sein für Anleger, die Flexibilität und Kosteneffizienz schätzen. Kurzfristig orientierte Investoren oder Taktiker profitieren davon, dass sie mit einem ETF schnell ein- und aussteigen können, zum Beispiel um Marktchancen zu nutzen oder Risiken rasch abzubauen. Die intraday Handelbarkeit und die Liquidität großer ETFs sind hier Pluspunkte.
  • Auch Transparenz-orientierte Anleger bevorzugen mitunter ETFs, da sie genau verfolgen können, was im Portfolio passiert. Zudem ist die Kostenstruktur oft günstiger: Keine Ausgabeaufschläge, niedrigere Verwaltungskosten, über lange Sicht ein Vorteil durch den Zinseszinseffekt geringerer Kosten.
  • Für breit aufgestellte Standardanlagen (etwa globale Aktien, große Indizes) kann ein aktiver ETF also eine attraktive Lösung sein. Man erhält aktive Steuerung, ohne vollständig auf die Kostenvorteile der ETF-Struktur zu verzichten.

Vorteile klassischer aktiver Fonds

  • Auf der anderen Seite gibt es Szenarien, in denen ein traditioneller aktiver Fonds besser passt. Langfristig denkende Investoren, denen tägliche Handelbarkeit weniger wichtig ist, legen oft mehr Wert auf einen konsistenten Anlageprozess und gegebenenfalls auf persönlichen Austausch mit dem Fondsmanagement (bei institutionellen Mandaten).
  • In Nischenmärkten oder weniger liquiden Strategien kann ein klassischer Fonds Vorteile haben: Er muss keine fortlaufende Börsenliquidität sicherstellen und kann auch in schwer handelbare Titel investieren, ohne dass ein Marktspread beim Anlegerhandel im Vordergrund steht. Das erlaubt unter Umständen breitere Anlageuniversen, zum Beispiel bei alternativen Strategien oder Private-Markets-Investments, die in einem ETF nicht darstellbar wären.
  • Ein aktiver Fonds kann zudem verschiedene Anteilsklassen anbieten (etwa für Institutionelle mit geringeren Gebühren oder ohne Ausgabeaufschlag), sodass unterschiedliche Anlegergruppen bedient werden.

"Für jedes Thema das passende Vehikel"

Diese Devise bringt es auf den Punkt. Welche Lösung besser ist, hängt vom Einsatzgebiet ab. Für breite, effiziente Märkte (zum Beispiel Large-Cap-Aktien weltweit) sind kostengünstige ETFs, ob passiv oder aktiv, oft sinnvoll, da hier Kostenersparnis und liquide Handelbarkeit den Ausschlag geben. Für spezialisierte Themen (zum Beispiel ein enges Branchenportfolio, Hochzinsanleihen aus Schwellenländern, komplexe Derivate-Strategien) kann ein aktiver Spezialfonds geeigneter sein, da er mehr Freiheiten in der Umsetzung hat und man als Anleger eventuell von einem erfahrenen Managementteam mit tiefem Know-how profitiert. Wichtig ist, dass Anleger ihr eigenes Profil kennen: Wer kurzfristig taktieren möchte, wird die Flexibilität des ETFs schätzen. Wer langfristig und strategisch investiert, achtet mehr auf den Investmentprozess und den Track Record des Managements. Ob dieser in einem ETF oder einem Fonds stattfindet, ist dann häufig zweitrangig. Letztlich streben beide Vehikel, aktiver ETF wie aktiver Fonds, dasselbe an: einen Mehrwert durch aktives Management gegenüber dem Markt zu liefern. Welcher Weg dorthin besser passt, hängt von den Rahmenbedingungen ab.

Kein "Entweder-oder", sondern ein "Sowohl-als-auch"

Es ist durchaus denkbar, dass aktive ETFs und aktive Fonds sich im Portfolio ergänzen. Zum Beispiel könnte ein Anleger einen Teil seines Kernportfolios mit einem aktiven Multi-Faktor-ETF abbilden und gleichzeitig in einem spezialisierten aktiven Fonds für Schwellenländeranleihen investiert sein. Entscheidend ist, die Unterschiede zu kennen und bewusst abzuwägen: Kosten, Liquidität, Transparenz, Strategie und Risiko-Management. Dann lässt sich für jedes Anlagethema das passende Vehikel auswählen.

Fazit: Aktiver ETF oder aktiver Fonds - die wichtigsten Unterschiede

Ein aktiver ETF ist letztlich ein aktiv gemanagter Fonds in einer ETF-Struktur. Der Kernunterschied zum klassischen aktiven Fonds liegt nicht im Anlageziel, beide wollen durch gezielte Wertpapierauswahl Mehrwert gegenüber dem Markt schaffen, sondern in der Struktur und den Rahmenbedingungen.

  • Aktive ETFs werden an der Börse gehandelt, was ihnen Flexibilität und transparente Kursbildung verleiht. Sie sind oft kostengünstiger und bieten häufig tägliche Transparenz über die gehaltenen Positionen. 
  • Aktive Fonds hingegen werden traditionell direkt über die Gesellschaft gehandelt, was stabile Anteilspreise (ohne intraday Kursschwankungen) und Zugriff auf Spezialstrategien ermöglicht, allerdings meist zu höheren laufenden Kosten und mit geringerer zeitlicher Flexibilität.
  • Kurz gesagt: Ein aktiver ETF unterscheidet sich vom klassischen aktiven Fonds vor allem durch Handelbarkeit, Kosten und Transparenz, während die Anlagephilosophie (aktives Management) beiden gemein ist. Welches Vehikel im konkreten Fall vorzuziehen ist, hängt von den Zielen des Anlegers ab.

Beide haben ihre Berechtigung: Aktive ETFs kombinieren Vorteile für allgemeine, liquide Märkte, während aktive Fonds in Spezialgebieten und bei individuellen Anforderungen punkten können. Für Anleger ist es weniger eine Frage von "entweder oder", sondern darum, die Unterschiede zu verstehen. Wer weiß, was ein aktiver ETF ist und worin er sich vom traditionellen Fonds unterscheidet, kann diese Erkenntnisse nutzen, um bewusste und informierte Investmententscheidungen zu treffen.

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