Inflationsschutz

Kaufkraft erhalten, ohne sich in falscher Sicherheit zu wiegen

Inflation fällt im Alltag oft erst dann auf, wenn Preise spürbar steigen. Für Anleger wirkt sie aber dauerhaft im Hintergrund: Steigt das Preisniveau, sinkt die Kaufkraft. Wer sein Vermögen nominal "sicher" parkt, kann real dennoch verlieren. Genau hier beginnt der Zielkonflikt. Inflationsschutz braucht Renditechancen. Renditechancen bedeuten aber immer auch Schwankungen. Eine Lösung, die für alle passt, gibt es nicht. Entscheidend ist, wie gut Anlagehorizont, Risikoprofil und Risiko-Management zusammenpassen. Die zentrale Frage lautet: Wie lässt sich Kaufkraft realistisch schützen, ohne unnötige Risiken einzugehen und ohne sich von vermeintlicher Sicherheit blenden zu lassen?

Warum reicht Tagesgeld/Festgeld für Inflationsschutz oft nicht aus?

Tagesgeld und Festgeld bieten zwei Vorteile: Liquidität und Planbarkeit. Man kommt schnell an sein Geld und sieht klar, wie viele Euro am Ende auf dem Konto stehen. Diese Klarheit ist für viele Anleger wichtig.

Für Inflationsschutz ist jedoch nicht nur der nominale Betrag entscheidend, sondern die Kaufkraft. Ein einfacher Begriff hilft beim Einordnen: Reale Rendite. Sie beschreibt die Rendite nach Inflation. Liegt die Verzinsung unter der Inflationsrate, ist die reale Rendite negativ. Das Vermögen wächst nominal kaum oder gar nicht, verliert aber real an Wert.

Deshalb sind sehr kurzfristige, festverzinsliche Anlagen häufig gut geeignet, um Geld verfügbar zu halten. Für langfristigen Inflationsschutz reichen sie oft nicht aus, weil Kaufkrafterhalt typischerweise Renditequellen erfordert, die nicht ausschließlich aus kurzfristigen Zinsen bestehen.

Welche Rolle spielen Anlagehorizont, Risikoprofil und Risiko-Management?

Inflationsschutz hängt selten an einem einzelnen Produkt. Er entsteht meist aus dem Zusammenspiel von drei Faktoren: Anlagehorizont, Risikoprofil und Risiko-Management.

  • Anlagehorizont bedeutet: Wie lange kann das Kapital investiert bleiben, ohne dass es zu einem festen Zeitpunkt benötigt wird?
  • Risikoprofil beschreibt: Wie hoch dürfen Schwankungen ausfallen, ohne dass man in Stressphasen falsche Entscheidungen trifft?
  • Risiko-Management bedeutet: Wie wird das Risiko im Portfolio praktisch gesteuert, damit Zwischenverluste (Drawdowns) zum Ziel, zum Zeithorizont und zur persönlichen Belastbarkeit passen, zum Beispiel durch breite Diversifikation, klare Risikogrenzen und regelmäßiges Rebalancing.

Zeit ist dabei ein wichtiger Stabilitätsfaktor. Wer länger investiert bleibt, kann zwischenzeitliche Schwächephasen eher aushalten und Erholungen abwarten. Wer weniger Zeit hat, braucht eine Struktur, bei der Zwischenverluste begrenzt bleiben.

Eine praktikable Faustregel lautet: Je länger der Horizont, desto eher sind risikoreichere Bausteine tragbar. Je kürzer der Horizont, desto wichtiger wird eine ausgewogene oder konservativere Struktur.

Sind Aktien wirklich ein Inflationsschutz und wo liegen die Grenzen?

Aktien werden häufig als Inflationsschutz genannt, weil Unternehmen steigende Kosten langfristig teilweise über Preise, Umsätze und Gewinne weitergeben können. Das kann über längere Zeiträume helfen, Kaufkraft zu erhalten.

Die Grenze liegt im Risiko. Aktien können deutlich schwanken und über längere Phasen auch negativ laufen. Für Anleger ist dabei weniger die tägliche Volatilität entscheidend als der mögliche Drawdown. Drawdown meint den zwischenzeitlichen Rückgang vom Höchststand bis zum Tiefpunkt. Wer in einer schwachen Marktphase verkaufen muss, realisiert Verluste, während die Inflation parallel weiter Kaufkraft kostet.

Aktien können also ein Baustein für Inflationsschutz sein, aber nicht als "sichere" Lösung. Ob sie passen, hängt davon ab, wie viel Zeit zur Verfügung steht und wie gut Schwankungen psychologisch und finanziell getragen werden können. 

Was ist mit inflationsindexierten Anleihen, Gold und Rohstoffen?

Hier lohnt sich Differenzierung. Gerade beim Inflationsschutz wirken häufig mehrere Mechanismen gleichzeitig.

  • Inflationsindexierte Anleihen (oft "Linker") koppeln Zahlungen oder Rückzahlungswerte an Inflation. Das klingt nach direktem Schutz, hat aber eine wichtige Einschränkung: Den Zinseffekt. Ein Begriff dazu ist Duration. Duration beschreibt vereinfacht, wie stark der Kurs einer Anleihe auf Zinsänderungen reagiert. Steigen Zinsen, können Anleihekurse fallen. In Inflationsphasen erhöhen Zentralbanken häufig die Zinsen. Dann kann der positive Inflationsmechanismus durch Kursverluste teilweise überlagert werden. Linker sind deshalb kein Automatismus, sondern ein Baustein mit Trade-offs.
  • Gold wird oft als Inflationsschutz diskutiert. In der Praxis ist es eher ein Diversifikationsbaustein, der sich in bestimmten Marktphasen anders entwickeln kann als Aktien oder klassische Anleihen. Wichtig ist, Gold nicht als Allheilmittel zu behandeln, sondern als mögliche Beimischung mit klarer Funktion im Portfolio.
  • Rohstoffe können ebenfalls Diversifikation liefern. Entscheidend ist dabei häufig der Blick auf den breiteren Rohstoffmarkt statt nur auf einzelne Einzeltitel oder ein einzelnes Metall. Auch hier gilt: Wirkung und Risiko hängen von Ausgestaltung, Gewichtung und Gesamtkonzept ab.

Warum kann ein Multi Asset-Ansatz gerade bei kürzeren Horizonten sinnvoll sein?

Ein häufiger Denkfehler ist die Reduktion auf zwei Anlageklassen. Inflationsschutz ist aber oft dann am stabilsten, wenn ein Portfolio mehrere Renditequellen kombiniert und Risiken breit streut.

Ein Multi Asset-Ansatz verbindet typischerweise verschiedene Bausteine wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Edelmetalle oder alternative Strategien. Ziel ist nicht, Risiken zu eliminieren, sondern sie zu verteilen und das Rendite-Risiko-Profil robuster zu gestalten.

Gerade bei kürzeren Horizonten kann das sinnvoll sein, weil das Portfolio weniger stark auf einzelne Marktbewegungen reagiert. Gleichzeitig ist es wichtig, realistisch zu bleiben: Diversifikation verhindert Verluste nicht. Sie kann aber helfen, Klumpenrisiken zu reduzieren und die Stabilität zu erhöhen.

Ein weiterer praktischer Begriff ist Asset-Allokation. Damit ist die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen gemeint. Über Rebalancing wird diese Zielstruktur nach Marktbewegungen wiederhergestellt. Das ist kein Timing, sondern Disziplin, um Risiken nicht unbemerkt anwachsen zu lassen.

Gerade bei kürzeren Horizonten kann zusätzlich gezielte Aktivität helfen, Risiken abzufedern. Denn beispielsweise ein ETF garantiert keine bessere Rendite, sondern bildet im Kern die Marktentwicklung minus Kosten ab: Fällt der Markt, fällt auch der ETF, ohne dass ein Manager aktiv gegensteuern kann. Ein aktiv gemanagter Ansatz hat dagegen grundsätzlich mehr Handlungsspielraum, um auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren, zum Beispiel indem er in turbulenten Phasen die Risikoausrichtung anpasst, überbewertete Bereiche meidet oder Klumpenrisiken reduziert, die sich in nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes unbemerkt aufbauen können. Auch im Anleihebereich können passive Benchmarks Grenzen haben, etwa wenn hochverschuldete Emittenten aufgrund der Indexlogik stärker gewichtet sind. Aktive Steuerung kann hier flexibler agieren und Risiken gezielter ausbalancieren. Entscheidend ist dabei: Es geht nicht um kurzfristiges Timing, sondern um konsequentes Risiko-Management und Netto-Performance über unterschiedliche Marktphasen hinweg.

Inflationsschutz in der Entnahmephase: Stabilität, Erträge und Substanz in Balance

In der Entnahmephase verschieben sich die Prioritäten. Es geht nicht nur um Wachstum, sondern um die Balance aus Stabilität, Entnahmen und Kaufkraft. Inflation wirkt hier besonders spürbar, weil steigende Ausgaben die Entnahmehöhe beeinflussen. Das macht Kaufkrafterhalt zu einem zentralen Bestandteil der Planung.

Viele Anleger richten den Blick in dieser Phase auf laufende Erträge wie Zinsen oder Ausschüttungen. Dabei ist eine realistische Erwartungshaltung wichtig: Ausschüttungen sind nicht garantiert, können schwanken und hängen von Markt- und Risikofaktoren ab. Entscheidend ist, dass Entnahmeplan, Risikoprofil und Portfoliostruktur zusammenpassen, damit in schwachen Marktphasen keine ungünstigen Verkäufe nötig werden.

Ein breit diversifizierter Ansatz kann helfen, unterschiedliche Ertragsquellen zu kombinieren und das Risiko zu steuern. Ziel ist nicht, jede Schwankung zu vermeiden, sondern Stabilität so zu gestalten, dass die Strategie auch in anspruchsvollen Marktphasen tragfähig bleibt.

Fazit: Was ist ein realistischer Inflationsschutz?

Realistischer Inflationsschutz bedeutet nicht, Inflation "auszuschalten". Er bedeutet, Kaufkraft mit einer passenden Strategie zu schützen, die Renditechancen nutzt, Risiken aber bewusst steuert.

Die überzeugendste Antwort auf die Leitfrage ist deshalb: Kaufkraft lässt sich am besten schützen, wenn Anlagehorizont, Risikoprofil und breite Diversifikation konsequent zusammen gedacht werden. Kurzfristige Anlagen können Liquidität sichern, reichen allein aber oft nicht. Aktien können helfen, haben aber Grenzen. Linker, Gold und Rohstoffe sind Bausteine mit eigener Logik und eigenen Risiken. Ein Multi Asset-Ansatz kann besonders dann sinnvoll sein, wenn der Horizont kürzer ist oder Stabilität stärker im Vordergrund steht

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