Equity Insights 11.06.2026

Hohe Bewertungen, konzentrierte Märkte: Equal Weight als Ausweg?

EQUITY INSIGHTS | Nr. 47

  • Hohe Bewertungen treffen auf starke Marktkonzentration: Kapitalisierungsgewichtete Indizes hängen sehr von Gewinnerwartungen einiger weniger Schwergewichte ab.
  • Der Blick in die Historie zeigt: In der Vergangenheit gingen hohe Aktienbewertungen oft mit niedrigeren realen Folgerenditen einher. 
  • Keine mechanische Gleichgewichtung: Unser Assenagon Equity Framework reduziert Klumpenrisiken dank Equal Weight, das durch systematische Qualitäts- und Risikokontrolle ergänzt wird.

US-amerikanische und globale Aktien­indizes sind stark von wenigen Mega Caps geprägt. Damit bewegen sich Investoren in einem Regime, das hohe Bewertungen mit erhöhter Markt­konzentration verbindet. Kapitalisierungs­gewichtete Indizes bilden folglich nicht mehr nur breite Aktien­märkte ab, sondern zunehmend die Bewertungs- und Gewinn­erwartungen weniger großer Unternehmen. Diese Entwicklung ist nicht zwangsläufig problematisch. Viele der dominierenden Index­schwergewichte verfügen über robuste Geschäfts­modelle, hohe Margen und starke Markt­positionen. Mit ihrer zunehmenden Gewichtung hängt das Anlage­ergebnis jedoch stärker von wenigen zentralen Annahmen ab: dauerhaft hoher Profitabilität, weiterem Gewinn­wachstum, stabilen Bewertungs­multiplikatoren und fortgesetzter Markt­führerschaft. 

 

Bewertung als langfristiger Ausgangspunkt 

Wie lässt sich das aktuelle Markt­umfeld historisch einordnen? Ein hilfreiches Maß dafür ist das Shiller-KGV (CAPE), das das aktuelle Kur­niveau ins Verhältnis zu den inflations­bereinigten durchschnittlichen Unternehmens­gewinnen der vergangenen zehn Jahre setzt. Es glättet damit zyklische Gewinn­schwankungen und eignet sich besonders zur Beurteilung langfristiger Bewertungsniveaus. 

Abbildung 1 zeigt den Zusammen­hang zwischen CAPE und anschließend realisierten realen 10-Jahres-Renditen für den S&P 500 über den Zeitraum von 1925 bis 2016. Die historische Tendenz ist eindeutig. Je höher das Bewertungs­niveau zum Investitions­zeitpunkt, desto niedriger fielen im Durchschnitt die späteren realen Renditen aus. Die ökonomische Logik dahinter: je mehr Investoren heute für künftige Gewinne bezahlen müssen, desto höher sind die Anforderungen an das Gewinnwachstum, um weiterhin attraktive reale Renditen zu erzielen. 

Abbildung 1: Shiller-KGV, Marktkonzentration und nachfolgend realisierte reale 10-Jahres-Renditen, 1925-2016

Vor diesem Hintergrund ist ein aktuelles CAPE von rund 41 (Stand: Juni 2026) anspruchsvoll. Bewertungsniveaus in dieser Größen­ordnung lagen in der Vergangenheit weit im oberen Bereich der beobachteten Verteilung und gingen häufig mit unter­durchschnittlichen realen Folge­renditen einher. Auch die Regressions­linie in Abbildung 1 deutet für dieses Bewertungs­niveau auf ein gedämpftes langfristiges Rendite­umfeld hin. 

Diese Einordnung sollte jedoch nicht deterministisch verstanden werden. Die Streuung der Punkt­wolke zeigt, dass Bewertung allein keine vollständige Erklärung liefert. Gewinn­entwicklung, Zinsen, Inflation, Margen und Anleger­positionierung beeinflussen die tatsächlichen Ergebnisse ebenfalls. Das CAPE ist daher kein kurzfristiges Timing-Signal, sondern ein Orientierungs­maß für langfristige Rendite­erwartungen. Für die strategische Aktienallokation bleibt dieser Zusammenhang dennoch relevant: hohe Bewertungen reduzieren tendenziell die erwarteten Folgerenditen und erhöhen die Abhängigkeit davon, dass sich hohe Erwartungen an Wachstum und Profitabilität tatsächlich erfüllen. 
 

Marktkonzentration als zweite Dimension 

Entscheidend ist jedoch nicht nur, wie hoch der Markt insgesamt bewertet ist, sondern auch, auf welche Unternehmen sich die damit verbundenen Erwartungen verteilen. In einem breit diversifizierten Markt ruhen die Erwartungen auf vielen Titeln. In einem stark konzentrierten Markt hängen sie dagegen über­proportional an wenigen Index­schwergewichten. Die Bewertung allein beschreibt das aktuelle Umfeld daher nur unvollständig. Sie muss um eine zweite Dimension ergänzt werden: die Markt­konzentration.  

Die farbliche Unterscheidung der Punkte in Abbildung 1 macht diese zweite Dimension sichtbar. Es zeigt sich, dass in der historischen Betrachtung Phasen hoher Konzentration häufig in einem Umfeld erhöhter Bewertungen auftraten und tendenziell mit schwächeren langfristigen Folgerenditen verbunden waren. Der Grund hierfür ist das steigende Konzentrations­risiko im Portfolio. Wenn wenige große Titel einen hohen Anteil am Index ausmachen, schlagen negative Überraschungen bei diesen Unternehmen stärker auf das Gesamt­ergebnis durch. 
 

Equal Weight als Ausweg? 

Für strategische Investoren folgt daraus nicht, Aktien grundsätzlich zu meiden. Entscheidend ist vielmehr, welche Aktien­risiken im Portfolio enthalten sind, welche davon noch angemessen vergütet werden und ob sich die Aktien­allokation gezielter strukturieren lässt. An dieser Stelle wird ein systematischer Rahmen zur Bewertung und Steuerung von Aktien­risiken relevant.

Eine naheliegende Antwort auf hohe Index­konzentration ist Equal Weight. Alle Index­mitglieder fließen hier mit derselben Gewichtung in den Index ein. Dadurch sinkt die Dominanz einzelner Mega Caps deutlich, und das Portfolio verschiebt sich tendenziell in Richtung kleinerer und häufig günstiger bewerteter Unternehmen. Allerdings ist ein "naiver" Equal Weight-Ansatz mit neuen Problemen verbunden. So kann beispielsweise eine niedrigere Bewertung auf fundamentale Attraktivität hindeuten, aber auch mit schwächerer Profitabilität, höherer Verschuldung oder erhöhtem Geschäfts­risiko einhergehen. Equal Weight reduziert also Konzentration und tendenziell die Bewertungen, kann aber aufgrund mangelnder Kontrolle andere Faktor- und Qualitäts­risiken erhöhen. 

Abbildung 2: Faktor-Ausprägungen eines reinen Equal Weight-Index und des Assenagon Funds Value Size Global relativ zum globalen Aktienmarkt 

Abbildung 2 zeigt diese Problematik anhand eines globalen Equal Weight-Index. Dieser reduziert die Konzentration deutlich und führt erwartungsgemäß zu einer klaren Size-Verschiebung hin zu kleineren Unternehmen. Gleichzeitig entstehen jedoch mit einer deutlich unterdurchschnittlichen Profitabilität, einer höheren Verschuldung und einem über die Zeit schwankenden Beta neue, unerwünschte Faktor- und Qualitäts­ausprägungen.
 

Assenagon Equity Framework: Systematische Steuerung statt mechanischer Gleichgewichtung

Hier setzt das Assenagon Equity Framework an. Es nutzt gewünschte Faktorprämien wie Value und Size gezielt, um Risiken wie hohe Bewertungen oder Marktkonzentration zu steuern, ohne andere Qualitäts- und Risikodimensionen aus dem Blick zu verlieren. Profitabilität, Verschuldung, Momentum, idiosynkratische Volatilität und Marktrisiko werden systematisch kontrolliert. Die Abkehr von der Markt­kapitalisierungs­gewichtung erfolgt damit nicht mechanisch, sondern risikobewusst. Konkret bedeutet dies, dass Unternehmen nicht allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Index gleichgewichtet werden. Vielmehr erfolgt eine gezielte Selektion und Gewichtung entlang gewünschter Value- und Size-Merkmale, während unerwünschte Qualitäts- und Risiko­eigenschaften begrenzt werden.

Abbildung 3: Wertentwicklung in EUR, Equal Weight-Index versus Assenagon Funds Value Size Global, 15.06.2020–29.05.2026

Die historische Wertentwicklung in Abbildung 3 zeigt, dass ein so strukturierter Ansatz gegenüber einfacher Gleich­gewichtung Mehrwert liefern kann. Im betrachteten Zeitraum erzielte die selektiv gleichgewichtete Strategie eine Wert­entwicklung von 127,6 Prozent gegenüber 92,4 Prozent beim Equal Weight-Index – ein Vorsprung von rund 35 Prozent­punkten. Beide Ansätze reduzieren die Konzentrations­risiken kapitalisierungs­gewichteter Indizes; der Value Size-Ansatz erlaubt jedoch unerwünschte Neben­wirkungen zu vermeiden.
 

Für Kapitalmarktanleger

Für Investoren bedeutet dies, dass passives Aktien­exposure im aktuellen Umfeld differenzierter betrachtet werden sollte. Hohe Bewertungsniveaus erhöhen die Abhängigkeit von künftigem Gewinn­wachstum und stabilen Margen, während die ausgeprägte Index­konzentration diese Erwartungen auf wenige große Unternehmen bündelt. Damit kann ein Portfolio zwar formal breit diversifiziert erscheinen, im Ergebnis aber stärker von einzelnen Geschäfts­modellen, Bewertungs­multiplikatoren und Markt­führerschaften geprägt sein, als die Zahl der enthaltenen Titel vermuten lässt.

Eine Gleich­gewichtung der Index­mitglieder kann dieses Klumpen­risiko reduzieren, löst jedoch nicht automatisch die Frage, welche Aktien­risiken im Portfolio verbleiben. Entscheidend ist daher nicht allein die Abkehr von der Markt­kapitalisierungs­gewichtung, sondern deren Verbindung mit einer systematischen Kontrolle von Bewertung, Qualität und Risikoeigenschaften. In einem Umfeld hoher Bewertungen und enger Markt­breite kann ein gesteuerter Value Size-Ansatz dementsprechend eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Aktien­allokation darstellen.

 

Daniel Jakubowski, Sebastian Schmider