Volatility Spotlights 11.09.2026

Indexvolatilität im Detail – warum ihre Treiber entscheidend sind

VOLATILITY SPOTLIGHT | SEPTEMBER 2026

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  • Die Indexvolatilität wird von zwei zentralen Faktoren bestimmt: Der Volatilität der Einzel­aktien und ihrer Korrelation unter­einander. Ihr relativer Beitrag verändert sich je nach Markt­regime erheblich.
  • In Stressphasen geht das Risiko zunehmend von den Einzelaktien aus. Bei den stärksten ein Prozent der täglichen Anstiege der im­pliziten Index­volatilität lassen sich rund 70 Prozent der Bewegung auf eine höhere Einzel­aktien­volatilität zurückführen – wodurch Anleger einem erheblichen und stark asym­metrischen Tail-Risiko ausgesetzt sind.
  • Die Rendite stammt dagegen überwiegend aus der Korrelation. Obwohl die Einzel­aktien­volatilität einen großen Teil des Verlust­risikos ausmacht, bietet sie vergleichs­weise wenig Kompensation. Der überwiegende Teil der Volatilitäts­risiko­prämie befindet sich in der Korrelations­komponente. Gemessen am eingegangenen Risiko ist die Korrelation damit die attraktivere Ertrags­quelle.

Strategien zur Vereinnahmung der Volatilitäts­risiko­prämie sind ein etablierter Bestand­teil im Bereich der Liquid Alternatives. Sie bieten eine skalierbare Ertrags­quelle mit einem Risiko-Rendite-Profil, welches sich deutlich von klassischen Aktien­anlagen unterscheidet.

Wer Index­volatilität verkauft, ist sowohl der Volatilität der Einzel­aktien als auch ihrer Korrelation ausgesetzt. Um das Risiko-Rendite-Profil einer Volatilitäts­strategie beurteilen zu können, ist es daher entscheidend, diese beiden grundlegenden Treiber zu verstehen. In dieser Ausgabe des "Volatility Spotlight" untersuchen wir, wie die beiden genannten Komponenten die implizite Indexvolatilität in unterschiedlichen Markt­phasen beeinflussen – und welche Konsequenzen sich daraus für Investoren ergeben.

 

Zwei Kräfte bestimmen die implizite Indexvolatilität

Die Indexvolatilität wird im Wesentlichen von zwei Faktoren geprägt:

  • Der Volatilität der im Index enthaltenen Einzelaktien und
  • der Korrelation dieser Aktien untereinander.

Die Einzelaktien­volatilität beschreibt, wie stark sich die einzelnen Index­mitglieder bewegen. Die Korrelation bestimmt, wie viel von diesen Bewegungen nach dem Diversifikations­effekt auf Indexebene noch sichtbar bleibt. Eine Strategie, die ausschließlich Index­volatilität verkauft, beinhaltet somit beide Risiko­komponenten.

Für Investoren reicht es daher nicht aus, ausschließlich die Index­volatilität zu analysieren. Nur wer ihre zugrunde liegenden Treiber ver­steht, kann sowohl die Herkunft des Risikos als auch die Qualität der verein­nahmten Prämie angemessen beurteilen.

 

In Stressphasen dominiert die Einzelaktienvolatilität

Unsere Analyse täglicher Volatilitäts­daten des S&P 500® zeigt, dass sich das Zusammen­spiel der beiden Treiber je nach Markt­phase deut­lich verändert. 

In normalen Marktphasen tragen Einzel­aktien­volatilität und Korrelation annähernd gleich stark zu Veränderungen der Index­volatilität bei. Je ausgeprägter die Marktbewegungen jedoch ausfallen, desto stärker dominiert die Einzelaktienvolatilität.

Bei den extremsten ein Prozent der beobachteten Veränderungen der Index­volatilität entfallen rund 70 Prozent der Bewegung auf die Einzel­aktien­volatilität, wie Abbildung 1 zeigt.

Starke Anstiege der Index­volatilität entstehen demnach hauptsächlich durch die stark ansteigende Volatilität der im Index befindlichen Aktien und weniger stark durch die eingepreiste Korrelation. 

Grafik 1: Mit zunehmendem Marktstress wird die Einzelaktienvolatilität zum wichtigsten Treiber
Beitrag zu den Veränderungen der impliziten Indexvolatilität des S&P 500®

Die Risikoprämie stammt aus der Korrelation

Der Risikobeitrag ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Entscheidend ist, ob Investoren für das Tragen der beiden Risiko­komponenten angemessen kompensiert werden.

Um dies zu beurteilen, vergleichen wir die Volatilitäts­risiko­prämie des S&P 500® mit jener seiner größten Index­mitglieder.

Das Ergebnis ist eindeutig: Historisch wurde die implizite Index­volatilität mit einem deutlichen Aufschlag gegenüber der realisierten Vola­tilität gehandelt. Bei den Einzel­aktien­volatilitäten fiel die entsprechende Prämie dagegen erheblich geringer aus und lag über lange Zeit­räume nahe null, wie Abbildung 2 zeigt.

Grafik 2: Volatilitätsrisikoprämie: S&P 500®-Index vs. Top 50-Einzelaktien
Quartalsweise Volatilitätsrisikoprämie, 03.01.2005 – 02.01.2026

Für den Anleger

Der Verkauf von Index­volatilität bündelt somit zwei Risiko­faktoren mit sehr unterschiedlichen Risiko-Rendite-Eigenschaften. In Stress­phasen dominiert die Einzel­aktien­volatilität zunehmend die Verluste, obwohl sie Investoren historisch langfristig nur wenig Kompensation geboten hat. Die Korrelation lieferte dagegen den überwiegenden Teil der Volatilitäts­risiko­prämie.

Für Investoren ist diese Unter­scheidung entscheidend: Nicht jede Strategie, die auf den Verkauf von Vola­tilität setzt, kompensiert das einge­gangene Risiko gleichermaßen.
 

Tobias Knecht & Daniel Danon

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