Was sind Stiftungsfonds und für wen sind sie geeignet?

Viele Stiftungen gehen davon aus, dass ein Fonds mit "Stiftung" im Namen automatisch auf ihre besonderen Anforderungen zugeschnitten ist. Diese Annahme greift zu kurz. Entscheidend sind die tatsächliche Portfolio-Ausrichtung, das Risikoprofil, die Liquidität und die Ausschüttungspolitik eines Fonds.  

Ein Stiftungsfonds kann eine speziell für Stiftungen entwickelte Lösung sein. Auch ein klassischer oder moderner Multi Asset-Fonds kann grundsätzlich infrage kommen, wenn er den langfristigen Kapitalerhalt anstrebt, laufende Erträge erwirtschaften soll und auf Stabilität ausgerichtet ist. Der Maßstab ist daher nicht das Etikett, sondern die Frage, ob das Anlagekonzept zur jeweiligen Stiftung und zu ihrem Stiftungszweck passt.  

Für die Einordnung sind vor allem fünf Fragen entscheidend: 

Was ist ein Stiftungsfonds? 

Ein Stiftungsfonds ist, einfach erklärt, ein Investmentfonds, dessen Anlagekonzept typische Anforderungen von Stiftungen berücksichtigt. Im Mittelpunkt steht die Aufgabe, das Stiftungsvermögen so anzulegen, dass die Stiftung ihren Zweck langfristig erfüllen und ihre Förderprojekte finanzieren kann. 

Der Begriff kann im Stiftungswesen auch in einem anderen Zusammenhang verwendet werden, etwa für eine zweckgebundene Zustiftung unter dem Dach einer bestehenden Stiftung. Bei der Kapitalanlage bezeichnet "Stiftungsfonds" dagegen Fonds, die für die Anlage von Stiftungsvermögen konzipiert wurden oder sich aufgrund ihrer Eigenschaften dafür eignen. 

Stiftungsfonds müssen keine ausschließlich für Stiftungen aufgelegten Speziallösungen sein. Auch ein breit aufgestelltes Multi Asset-Konzept kann die Anforderungen einer Stiftung erfüllen. Dafür muss es beispielsweise eine nachvollziehbare Ausschüttungspolitik, ein zur Stiftung passendes Rendite-Risiko-Verhältnis und eine ausreichende Liquidität aufweisen. 

Die Bezeichnung "Stiftungsfonds" ist für sich genommen kein Qualitätsurteil. Ein Fonds kann defensiv klingen und dennoch nicht zur konkreten Stiftung passen. Umgekehrt kann ein Fonds ohne den Begriff "Stiftung" im Namen geeignet sein, wenn seine Anlageziele und seine Portfolio-Ausrichtung mit den Bedürfnissen der Stiftung übereinstimmen. 

Entscheidend ist deshalb, welche Aufgabe der Fonds im Gesamtvermögen übernimmt. Er kann die zentrale Kapitalanlage der Stiftung bilden, einen wesentlichen Portfoliobaustein darstellen oder eine bestehende Vermögensstruktur ergänzen.  

Welche Ziele verfolgt ein Stiftungsfonds? 

Ein Stiftungsfonds soll in der Regel drei Ziele miteinander verbinden: Den langfristigen Erhalt des Stiftungsvermögens, laufende beziehungsweise möglichst planbare Erträge und eine stabile Entwicklung des Portfolios. Diese Ziele stehen nicht unabhängig nebeneinander, sondern müssen gemeinsam betrachtet werden. 

Kapitalerhalt ist dabei ein Anlageziel und keine Garantie. Auch ein defensiv ausgerichteter Stiftungsfonds kann Wertschwankungen und Verluste erleiden. Er ist je nach Zusammensetzung unter anderem Aktienmarkt-, Zins-, Kredit- und Liquiditätsrisiken ausgesetzt. 

Zudem ist zwischen nominalem und realem Kapitalerhalt zu unterscheiden. Beim nominalen Kapitalerhalt bleibt der Geldbetrag erhalten. Der reale Kapitalerhalt berücksichtigt zusätzlich die Inflation und damit die Kaufkraft des Vermögens. Ein Vermögen, das nominal unverändert bleibt, kann real an Wert verlieren. 

Laufende Erträge sind wichtig, weil viele Stiftungen daraus ihre satzungsgemäßen Aufgaben und Förderprojekte finanzieren. Ertrag und Ausschüttung sind jedoch nicht dasselbe. Erträge entstehen innerhalb des Portfolios, während die Ausschüttung den Betrag bezeichnet, der an die Stiftung ausgezahlt wird. Ausschüttungen sollten deshalb durch eine langfristig tragfähige Ertragsbasis gestützt werden. 

Eine möglichst hohe Ausschüttung ist nicht automatisch vorteilhaft. Wird dauerhaft mehr ausgeschüttet, als das Portfolio nachhaltig erwirtschaftet, kann dies die Vermögenssubstanz belasten. Eine sehr vorsichtige Anlage kann umgekehrt Schwierigkeiten haben, ausreichende Erträge zu erzielen und den Kaufkraftverlust auszugleichen. 

Langfristige Stabilität bedeutet daher nicht, dass ein Stiftungsfonds jederzeit einen gleichmäßigen Wertverlauf aufweist. Gemeint ist vielmehr eine robuste Portfolio-Ausrichtung, die verschiedene Marktphasen berücksichtigt und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ertrag, Risiko und Planbarkeit anstrebt. Die maximale Rendite ist dabei nicht der alleinige Maßstab. Im Vordergrund steht die dauerhafte Unterstützung des Stiftungszwecks.  

Wie ist ein Stiftungsfonds typischerweise aufgebaut? 

Viele Stiftungsfonds kombinieren mehrere Asset-Klassen. Dazu können Anleihen, Aktien, liquide alternative Strategien, Rohstoffe und weitere diversifizierende Anlagebausteine gehören. Die konkrete Zusammensetzung hängt vom Anlageziel und vom Risikobudget des Fonds ab. 

Die einzelnen Asset-Klassen erfüllen unterschiedliche Funktionen. Anleihen können laufende Zinserträge und eine stabilisierende Komponente beitragen. Sie sind jedoch nicht risikofrei, sondern können unter anderem auf steigende Zinsen, Veränderungen der Kreditqualität oder Marktbewegungen reagieren. 

Aktien können langfristig zum Wachstum des Stiftungsvermögens und zum realen Vermögenserhalt beitragen. Gleichzeitig unterliegen sie stärkeren Wertschwankungen. Ein angemessener Aktienanteil kann deshalb eine wichtige Ertragsquelle sein, muss aber mit der Risikotragfähigkeit und dem Liquiditätsbedarf der Stiftung vereinbar bleiben. 

Ergänzende Anlagebausteine können die Abhängigkeit von Aktien und Anleihen reduzieren. Sie bringen jedoch eigene Risiken, Kosten und Liquiditätseigenschaften mit sich. Eine zusätzliche Asset-Klasse verbessert ein Portfolio nicht automatisch. Entscheidend ist, welche Funktion sie übernimmt und wie sie sich im Zusammenspiel mit den übrigen Anlagen verhält. 

Diversifikation ist ein wesentliches Merkmal vieler Fonds für Stiftungen. Die Verteilung auf unterschiedliche Märkte, Emittenten und Ertragsquellen kann Konzentrationsrisiken begrenzen. Sie kann Verluste jedoch nicht ausschließen. 

Neben der Zusammensetzung ist die Portfoliosteuerung wichtig. Je nach Konzept können die Gewichtungen der Asset-Klassen aktiv oder systematisch an veränderte Marktbedingungen angepasst werden. Das Risiko-Management kann Markt-, Zins- und Kreditrisiken überwachen, einzelne Positionen begrenzen und gegebenenfalls derivative Instrumente zur Absicherung einsetzen. Auch solche Maßnahmen können Risiken reduzieren, aber nicht vollständig beseitigen. 

Ein weiterer Faktor ist die Liquidität. Die Stiftung muss ihre Förderprojekte und laufenden Verpflichtungen finanzieren können. Rückgabemöglichkeiten, Ausschüttungsstruktur und Liquidität der eingesetzten Anlagen sollten deshalb zum Mittelbedarf der Stiftung passen. 

Für gemeinnützige, kirchliche, karitative oder philanthropische Stiftungen können zusätzlich Nachhaltigkeitskriterien relevant sein. Dabei können ökologische, soziale oder ethische Anforderungen mit dem Stiftungszweck verbunden werden. Eine bestimmte ESG-Ausrichtung oder regulatorische Klassifizierung ist jedoch weder eine Qualitätsgarantie noch automatisch für jede Stiftung geeignet.  

Wie unterscheidet sich ein Stiftungsfonds von einem klassischen Mischfonds? 

Stiftungsfonds und klassische Mischfonds können dieselben Asset-Klassen einsetzen. Beide können beispielsweise Aktien, Anleihen und ergänzende Strategien miteinander kombinieren. Der wesentliche Unterschied liegt daher häufig nicht in den verwendeten Instrumenten, sondern in der Zielsetzung und Ausgestaltung. 

Bei einem Stiftungsfonds stehen typischerweise der langfristige Vermögenserhalt, die Ausschüttungsorientierung, eine ausreichende Liquidität und die Planbarkeit stärker im Vordergrund. Die Kapitalanlage soll die Stiftung dabei unterstützen, ihren Zweck auch über lange Zeiträume hinweg zu erfüllen. 

Ein klassischer Mischfonds kann dagegen stärker auf ein allgemeines Renditeziel, eine bestimmte Risikoklasse oder den Vergleich mit einer Benchmark ausgerichtet sein. Diese Unterschiede sind jedoch nicht zwingend. Auch ein klassischer Multi Asset-Fonds kann ein geeignetes Anlagekonzept für Stiftungen darstellen. 

Ebenso ist ein Fonds nicht allein deshalb geeignet, weil er als Stiftungsfonds bezeichnet wird. Eine sehr defensive Portfolio-Ausrichtung kann kurzfristig geringe Schwankungen bewirken, aber langfristig zu wenig Ertrag liefern, um Ausschüttungen und Inflation auszugleichen. Übertriebene Vorsicht kann damit ebenfalls ein Risiko für den realen Vermögenserhalt darstellen. 

Für die Einordnung sollte deshalb nicht mit dem Produktnamen begonnen werden. Maßgeblich sind Anlageziele, Risikostruktur, Ausschüttungspolitik, Liquidität und die Rolle des Fonds im Gesamtvermögen der Stiftung. Die detaillierte Qualitätsprüfung eines Fonds geht damit deutlich über die Frage hinaus, ob "Stiftung" auf dem Produkt steht. 

Für welche Stiftungen kann ein Stiftungsfonds geeignet sein? 

Ein Stiftungsfonds kann grundsätzlich für Stiftungen geeignet sein, die ihr Vermögen langfristig anlegen und daraus regelmäßig Mittel für ihren Stiftungszweck benötigen. Er kann insbesondere dann infrage kommen, wenn eine breit diversifizierte Fondslösung gesucht wird und die Stiftung nicht alle Asset-Klassen eigenständig steuern möchte. 

Dies kann für kleinere und mittelgroße Stiftungen relevant sein, die kein eigenes Portfolio Management-Team oder keinen spezialisierten Anlageausschuss unterhalten. Die Eignung hängt jedoch nicht allein von der Größe der Stiftung ab. Auch größere Stiftungen können Stiftungsfonds als Baustein innerhalb einer umfassenderen Vermögensallokation nutzen. 

Entscheidend sind die individuellen Voraussetzungen. Dazu gehören der Stiftungszweck, die Satzung, der Anlagehorizont, der Liquiditätsbedarf und die Risikotragfähigkeit. Auch die geplante Mittelverwendung, interne Entscheidungsprozesse, mögliche Nachhaltigkeitsvorgaben und eine vorhandene Anlagerichtlinie sind zu berücksichtigen. 

Besonders wichtig ist die Betrachtung des Gesamtvermögens. Verfügt eine Stiftung bereits über umfangreiche Immobilienbestände, Beteiligungen oder andere illiquide Vermögenswerte, kann ein liquider Stiftungsfonds eine andere Funktion übernehmen als bei einer Stiftung, deren Vermögen überwiegend aus liquiden Finanzanlagen besteht. 

Der Fonds kann somit die zentrale Anlage, ein stabilisierender Baustein oder eine Ergänzung zu anderen Investments sein. Nicht geeignet ist er, wenn sein Risiko, seine Liquidität oder seine Ausschüttungspolitik nicht zu den Anforderungen der Stiftung passen. 

Ein Stiftungsfonds ersetzt daher weder die Festlegung einer Anlagestrategie noch die regelmäßige Überprüfung der Kapitalanlage. Die Stiftung muss weiterhin beurteilen, ob das Anlagekonzept mit ihrem Zweck, ihren Verpflichtungen und ihrer finanziellen Risikotragfähigkeit vereinbar ist.  

Stiftungsfonds müssen zur Stiftung passen 

Ein Stiftungsfonds ist ein Investmentfonds, dessen Anlagekonzept typische Anforderungen von Stiftungen berücksichtigt. Dazu gehören insbesondere der langfristige Kapitalerhalt, laufende Erträge, ausreichende Liquidität und eine auf Stabilität ausgerichtete Portfoliosteuerung. 

Kapitalerhalt bleibt dabei ein Ziel und keine Garantie. Auch ein Stiftungsfonds ist mit Risiken und möglichen Verlusten verbunden. Ausschüttungen sollten zudem langfristig tragfähig sein und nicht dauerhaft zulasten der Vermögenssubstanz gehen. 

Ob ein Fonds für eine Stiftung geeignet ist, entscheidet sich nicht an seinem Namen. Ein geeignetes Multi Asset-Konzept kann ebenso infrage kommen wie eine ausdrücklich als Stiftungsfonds bezeichnete Lösung. Entscheidend ist, dass die Portfolio-Ausrichtung mit dem Stiftungszweck, dem Liquiditätsbedarf, der Risikotragfähigkeit und der Gesamtvermögensstruktur übereinstimmt. 

Weiterführende Fragen zur Anlage von Stiftungsvermögen 

Zwei Lösungen – zwei Fonds

Welcher Ansatz passt zu mir?

Unsere konservative Lösung

Unsere ausgewogene Lösung

¹Ausschüttungen sind nicht garantiert.