Wie sollte eine Stiftung ihr Vermögen anlegen?

Die Kapitalanlage einer Stiftung unterscheidet sich von der Geldanlage vieler privater Anleger. Im Mittelpunkt steht nicht die möglichst hohe kurzfristige Rendite. Das Vermögen soll die Stiftung vielmehr langfristig in die Lage versetzen, ihren satzungsgemäßen Zweck zu erfüllen. 

Dafür muss die Stiftung mehrere Ziele miteinander verbinden. Sie benötigt laufende Erträge für ihre Förderarbeit, muss ausreichend liquide bleiben und sollte das Stiftungsvermögen langfristig erhalten. Gleichzeitig darf die Portfolio-Ausrichtung nicht so defensiv sein, dass Inflation und Ausschüttungen die reale Vermögenssubstanz schrittweise aufzehren. 

Eine tragfähige Kapitalanlage beginnt deshalb nicht mit der Frage nach einem einzelnen Fonds oder einer festen Aktienquote. Am Anfang steht die Gesamtbetrachtung der Stiftung: 

Welche Ziele bestimmen die Kapitalanlage einer Stiftung? 

Die Kapitalanlage dient der langfristigen Erfüllung des Stiftungszwecks. Daraus ergeben sich typischerweise drei eng miteinander verbundene Ziele: Der Erhalt des Stiftungsvermögens, die Erwirtschaftung laufender Erträge und eine ausreichende Planbarkeit. 

Kapitalerhalt ist dabei nicht mit Wertstabilität zu jedem Zeitpunkt gleichzusetzen. Auch ein defensiv ausgerichtetes Portfolio kann zwischenzeitliche Verluste erleiden. Aktien, Anleihen, Rohstoffe und alternative Asset-Klassen unterliegen jeweils eigenen Markt-, Zins-, Kredit- und Liquiditätsrisiken. 

Zudem muss zwischen nominalem und realem Kapitalerhalt unterschieden werden. Ein nominal unverändertes Vermögen kann durch Inflation an Kaufkraft verlieren. Für eine auf Dauer angelegte Stiftung ist deshalb nicht allein entscheidend, ob der Geldbetrag erhalten bleibt. Wichtig ist auch, ob das Vermögen langfristig genügend Ertragskraft besitzt, um den Stiftungszweck weiterhin angemessen zu finanzieren. 

Laufende Erträge bilden für viele Stiftungen die finanzielle Grundlage ihrer Förderprojekte. Die Kapitalanlage sollte daher Ertragsquellen erschließen, die über unterschiedliche Marktphasen hinweg möglichst belastbar sind. Eine vollständige Planbarkeit kann es an den Kapitalmärkten jedoch nicht geben. 

Der dritte Faktor ist die Risikotragfähigkeit. Sie beschreibt nicht nur, welche Wertschwankungen eine Stiftung finanziell verkraften kann. Auch die Erfahrung der verantwortlichen Gremien, die vorhandenen Entscheidungsprozesse und der Umgang mit vorübergehenden Verlusten spielen eine Rolle. 

Eine Stiftung sollte deshalb nicht von einer abstrakten Vorstellung von Sicherheit ausgehen. Sie benötigt ein Rendite-Risiko-Verhältnis, das zu ihrem Stiftungszweck, ihrem Mittelbedarf und ihrem Anlagehorizont passt. 

Warum ist Diversifikation wichtiger als eine starre Sicherheitslogik? 

Eine breit aufgestellte Kapitalanlage verteilt das Vermögen auf mehrere Asset-Klassen, Regionen, Emittenten und Ertragsquellen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von einzelnen Märkten oder Wertpapieren zu reduzieren. 

Diversifikation bedeutet jedoch nicht, möglichst viele Anlagen wahllos miteinander zu kombinieren. Jeder Baustein sollte eine nachvollziehbare Funktion im Gesamtportfolio erfüllen. Zwei Fonds mit unterschiedlichen Namen können wirtschaftlich denselben Risiken ausgesetzt sein. Umgekehrt können Anlagen mit ähnlicher äußerer Struktur in verschiedenen Marktphasen sehr unterschiedlich reagieren. 

Für Stiftungen ist diese funktionale Betrachtung besonders wichtig. Das Portfolio sollte nicht ausschließlich aus Anlagen bestehen, die in einem bestimmten Umfeld stabil erscheinen. Verändern sich Zinsen, Inflation oder Konjunktur, können bisher belastbare Zusammenhänge an Wirkung verlieren. 

Eine sehr hohe Anleihequote wird häufig mit besonderer Sicherheit verbunden. Diese Gleichsetzung greift zu kurz. Anleihen können zwar stabilisierend wirken und laufende Zinserträge liefern, reagieren aber unter anderem auf Zinsänderungen, Bonitätsverschlechterungen und steigende Kreditrisikoaufschläge. 

Auch eine geringe Aktienquote schützt nicht automatisch vor realen Vermögensverlusten. Fehlen langfristige Wachstumsquellen, kann es schwieriger werden, Inflation, Kosten und Ausschüttungen auszugleichen. 

Das andere Extrem ist ebenfalls problematisch. Eine zu chancenorientierte Portfolio-Ausrichtung kann Wertschwankungen verursachen, die nicht zum Mittelbedarf oder zur Risikotragfähigkeit der Stiftung passen. 

Entscheidend ist daher nicht eine möglichst niedrige oder möglichst hohe Quote einer einzelnen Asset-Klasse. Entscheidend ist das Zusammenspiel der Anlagen im Gesamtportfolio. 

Welche Rolle spielen Aktien, Anleihen und ergänzende Asset-Klassen? 

Anleihen gehören traditionell zu den zentralen Bausteinen vieler Stiftungsportfolios. Sie können laufende Zinserträge erwirtschaften und die Schwankungen eines Gesamtportfolios begrenzen. Ihre tatsächliche Wirkung hängt jedoch von Laufzeit, Kreditqualität, Währung und Marktumfeld ab. 

Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Anleihen mit höheren Kreditrisiken erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Eine höhere Verzinsung ist regelmäßig mit zusätzlichen Risiken verbunden. Deshalb sollte nicht nur auf den laufenden Kupon, sondern auf das gesamte Rendite-Risiko-Profil des Rentenbausteins geachtet werden. 

Aktien können langfristig zum Wachstum des Stiftungsvermögens beitragen. Unternehmen können ihre Umsätze, Gewinne und Preise über längere Zeiträume an wirtschaftliche Veränderungen anpassen. Damit können Aktien einen Beitrag zum realen Vermögenserhalt leisten. 

Dieser mögliche Beitrag ist mit Wertschwankungen verbunden. Eine Stiftung muss daher beurteilen, welche Aktienquote sie auch in schwierigen Marktphasen wirtschaftlich und organisatorisch tragen kann. Eine Quote, die bei steigenden Kursen angemessen erscheint, kann sich in einer ausgeprägten Verlustphase als zu hoch erweisen. 

Ergänzende Asset-Klassen können weitere Ertrags- und Diversifikationsquellen erschließen. Dazu gehören beispielsweise liquide alternative Strategien oder Rohstoffe. Ihre Aufgabe kann darin bestehen, die Abhängigkeit von klassischen Aktien- und Rentenmärkten zu reduzieren. 

Auch ergänzende Strategien müssen transparent und verständlich bleiben. Komplexität ist kein Qualitätsmerkmal. Eine Strategie sollte nur eingesetzt werden, wenn ihre Funktion, ihre Risiken, ihre Liquidität und ihre Kosten nachvollziehbar sind. 

Ein Multi Asset-Ansatz kann diese Bausteine innerhalb eines Portfolios kombinieren. Sein möglicher Vorteil liegt nicht allein in der Anzahl der Asset-Klassen, sondern in der koordinierten Portfoliosteuerung. Die Gewichtungen können innerhalb festgelegter Grenzen an veränderte Risiken und Marktbedingungen angepasst werden. 

Das Risiko-Management sollte dabei nicht erst einsetzen, wenn Verluste bereits eingetreten sind. Es umfasst die laufende Überwachung des Portfolios, die Begrenzung von Konzentrationen und die Prüfung, ob die einzelnen Bausteine weiterhin ihre vorgesehene Funktion erfüllen. 

Wie sind Immobilien und Private Markets im Gesamtvermögen einzuordnen? 

Viele Stiftungen verfügen bereits über Immobilien, Beteiligungen oder andere langfristig gebundene Vermögenswerte. Diese Bestände müssen bei der Gestaltung des liquiden Portfolios berücksichtigt werden. 

Immobilien können laufende Erträge liefern und einen realen Sachwert darstellen. Gleichzeitig sind sie häufig illiquide, zinssensitiv und auf einzelne Standorte oder Nutzungsarten konzentriert. Eine Stiftung mit einem hohen Immobilienanteil trägt deshalb bereits erhebliche Immobilien-, Standort- und Liquiditätsrisiken. 

Das liquide Wertpapierportfolio sollte diese vorhandenen Risiken nicht unbeabsichtigt verstärken. Es kann sinnvoll sein, dort andere Ertragsquellen und eine höhere tägliche Verfügbarkeit zu schaffen. Welche Portfolio-Ausrichtung daraus folgt, hängt von der konkreten Gesamtvermögensstruktur ab. 

Auch Private Equity, Private Debt und Infrastrukturinvestments können langfristige Ertragsmöglichkeiten eröffnen. Sie sind jedoch häufig mit langen Kapitalbindungen, eingeschränkten Rückgabemöglichkeiten und komplexen Bewertungs- und Kostenstrukturen verbunden. 

Für Stiftungen mit regelmäßigem Mittelbedarf kann diese geringe Liquidität problematisch sein. Ausschüttungen aus Private Markets sind zudem nicht in gleicher Weise planbar wie vertraglich festgelegte Zinszahlungen. Kapitalabrufe und Rückflüsse können zeitlich auseinanderfallen. 

Private Markets sind deshalb nicht grundsätzlich ungeeignet. Sie verlangen jedoch eine belastbare Liquiditätsplanung, ausreichende Ressourcen zur Prüfung und Überwachung sowie ein Gesamtvermögen, das längere Kapitalbindungen tragen kann. 

Gerade kleinere und mittelgroße Stiftungen sollten berücksichtigen, ob ihre Gremien die Komplexität solcher Anlagen dauerhaft bewältigen können. Die wirtschaftliche Eignung einer Anlage hängt nicht nur von ihrem erwarteten Ertrag ab, sondern auch von der Fähigkeit der Stiftung, sie zu verstehen, zu kontrollieren und in ihre Prozesse einzubinden. 

Wie bleibt die Portfolio-Ausrichtung langfristig handlungsfähig? 

Eine langfristige Anlagestrategie darf nicht mit einer unveränderlichen Portfoliozusammensetzung verwechselt werden. Die Ziele der Stiftung sollten dauerhaft gelten, die konkrete Umsetzung muss jedoch auf Veränderungen reagieren können. 

Starre Quoten können die Handlungsfähigkeit einschränken. Werden einzelne Asset-Klassen unabhängig von Marktbedingungen auf feste Gewichte begrenzt, kann das Portfolio seine wirtschaftliche Funktion möglicherweise nicht mehr angemessen erfüllen. 

Bandbreiten bieten mehr Flexibilität. Sie ermöglichen es, die Gewichtung einzelner Asset-Klassen innerhalb eines vorgegebenen Risikorahmens anzupassen. Dabei muss klar geregelt sein, wer Entscheidungen treffen darf und welche Kriterien gelten. 

Diese Grundsätze gehören in eine Anlagerichtlinie. Sie sollte unter anderem Anlageziele, Risikobudget, Liquiditätsbedarf, zulässige Asset-Klassen, Bandbreiten, Zuständigkeiten und Berichtswege festhalten. Die konkrete Ausgestaltung muss zur Satzung und zum Stifterwillen passen. 

Zur laufenden Portfoliosteuerung gehört außerdem eine regelmäßige Bestandsaufnahme. Dabei sollte die Stiftung nicht nur die Performance-Entwicklung betrachten. Ebenso wichtig sind Wertschwankungen, Ausschüttungen, Kosten, Liquidität, Konzentrationsrisiken und Veränderungen im Gesamtvermögen. 

Ein gutes Ergebnis in einer einzelnen Marktphase beweist nicht, dass die Strategie dauerhaft geeignet ist. Umgekehrt macht eine vorübergehende Schwächephase eine langfristige Strategie nicht automatisch ungeeignet. Entscheidend ist, ob die Entwicklung im Rahmen der erwartbaren Risiken liegt und die Kapitalanlage weiterhin ihren Zweck erfüllt. 

Rechtliche, steuerliche und rechnungslegungsbezogene Besonderheiten sollten gesondert geprüft werden. Die Kapitalanlage kann nur dann dauerhaft tragfähig sein, wenn wirtschaftliche Strategie, Satzung und organisatorische Prozesse zusammenpassen. 

Ein tragfähiges Stiftungsportfolio verbindet Stabilität, Ertrag und Flexibilität 

Eine Stiftung sollte ihr Vermögen nicht nach einer pauschalen Musterallokation anlegen. Ausgangspunkt sind der Stiftungszweck, der Mittelbedarf, die Risikotragfähigkeit und die bereits vorhandene Vermögensstruktur. 

Ein breit diversifiziertes Portfolio kann Aktien, Anleihen und ergänzende Asset-Klassen verbinden. Dabei übernimmt jeder Baustein eine bestimmte Funktion. Anleihen können laufende Erträge und Stabilität beitragen, Aktien langfristige Wachstumschancen eröffnen und weitere Strategien zusätzliche Diversifikation ermöglichen. 

Weder eine möglichst geringe Aktienquote noch eine möglichst große Anzahl von Anlagen ist für sich genommen ein Qualitätsmerkmal. Entscheidend sind das Rendite-Risiko-Verhältnis des Gesamtportfolios, ausreichende Liquidität und eine handlungsfähige Portfoliosteuerung. 

Die Kapitalanlage sollte robust genug für schwierige Marktphasen und zugleich flexibel genug für veränderte Rahmenbedingungen sein. So kann sie die langfristige Erfüllung des Stiftungszwecks unterstützen, ohne Kapitalerhalt oder Ausschüttungen zu garantieren. 

Weiterführende Fragen zur Anlage von Stiftungsvermögen 

Zwei Lösungen – zwei Fonds

Welcher Ansatz passt zu mir?

Unsere konservative Lösung

Unsere ausgewogene Lösung

¹Ausschüttungen sind nicht garantiert.