Volatility Spotlights 21.10.2026

Dispersion hat immer Saison

VOLATILITY SPOTLIGHT | Oktober 2026

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  • Die Berichtssaison eröffnet regelmäßig Ertrags­chancen für Dispersions­strategien.
  • Unsere Analyse zeigt: Während der Berichts­saison liegt die realisierte Dispersion im Schnitt 30 bis 40 Prozent höher als außerhalb dieser Phasen.
  • Der Kalender der Unternehmens­berichte liefert Impulse unabhängig von aktuellen Aktien­kursen und Zins­niveaus.

Für Anleger sind die quartalsweisen Berichts­saisons ein wieder­kehrender Treiber der Dispersion und damit eine strukturelle Quelle von Ertrags­chancen. Viermal im Jahr veröffentlichen Unternehmen in den USA ihre Geschäfts­zahlen und aktualisieren ihre Prognosen. Diese Ereignisse folgen einem eigenen Kalender – unabhängig davon, wo Aktien­kurse und Anleihe­renditen gerade stehen oder in welche Richtung sich die Finanz­märkte aktuell bewegen. Wer diese unternehmens­spezifischen Impulse gezielt nutzt, kann eine Ertrags­quelle erschließen, die keine bestimmte Richtung des Gesamt­marktes voraussetzt.

Dispersion bezeichnet die Streuung der Renditen einzelner Aktien innerhalb eines Marktes oder Index. Sie beschreibt, wie stark sich die Kurs­entwicklungen der Unternehmen voneinander unterscheiden. Gerade in der Berichts­saison werden Erwartungen bestätigt, übertroffen oder enttäuscht: Während eine Aktie von unerwartet guten Geschäfts­zahlen profitieren kann, gerät eine andere nach einem schwächeren Ausblick womöglich unter Druck. Solche unternehmens­spezifischen, sogenannten idio­synkratischen Kurs­bewegungen können die Disper­sion erhöhen, selbst wenn sich der Gesamtindex nur wenig bewegt.

Neben Konjunktur­daten, geld­politischen Entscheidungen und geo­politischen Entwicklungen sind die Quartals­berichte der Unternehmen selbst ein eigener Treiber von Volatilität. Die Berichts­saisons schaffen regel­mäßig neue Anlässe für unterschied­liche Kurs­reaktionen. Wie sich dieser Rhythmus in den Einzelaktien­bewegungen und der Dispersion zeigt und welche Chancen daraus für Anleger entstehen, untersuchen wir in dieser Ausgabe unserer Volatility Spotlights.

 

Quartalsergebnisse lösen deutliche Kursbewegungen bei Einzelaktien aus

Unsere Analyse von zehn großen US-Technologieaktien verdeutlicht, welchen Einfluss die Veröffentlichung von Quartalsergebnissen hat. Wir vergleichen die durchschnittlichen absoluten täglichen Kursbewegungen rund um die Quartalszahlen mit denen regulärer Handels­tage. An Berichtstagen beträgt die Bewegung im Durchschnitt rund 6,3 Prozent, gegenüber rund 1,8 Prozent an regulären Handelstagen. 
Die durchschnittliche Bewegung fällt damit rund 3,5-mal so hoch aus wie an regulären Handelstagen.

Abbildung 1  zeigt, wie stark sich die untersuchten Aktien nach der Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen bewegen. Dafür werden die absoluten Kursbewegungen je Quartal über alle Unternehmen addiert. Die gestrichelte Linie zeigt zum Vergleich die Summe ihrer durchschnittlichen absoluten Bewegungen an einem regulären Handelstag. Der Unterschied ist über viele Berichtsperioden hinweg deutlich: Quartalszahlen sorgen regelmäßig für besonders starke Kursreaktionen.

Abbildung 1: Ausgeprägte Einzelaktienbewegungen nach Quartalszahlen
Je Quartal aufsummierte absolute Kursbewegungen ausgewählter großer US-Technologieaktien nach Ergebnisveröffentlichungen, aufgeteilt nach Unter­nehmen. Gestrichelte Linie: Summe der durchschnittlichen absoluten Kursbewegungen an einem regulären Handelstag. Dargestellter Zeitraum: Q4/2012 bis Q2 /2026.

Die Dispersion folgt dem Rhythmus der Berichtssaisons

Der Kalender der Unternehmensberichte beeinflusst sowohl die realisierte als auch die implizite, also vom Options­markt eingepreiste Dispersion. Letztere steigt typischer­weise vor der Berichts­saison an und geht im Verlauf der Veröffentlichungen wieder zurück. Bei Optionen mit kurzen Lauf­zeiten sind diese saisonalen Bewegungen meist bereits eingepreist. Dispersions­strategien mit längeren Lauf­zeiten können die wiederkehrenden unternehmens­spezifischen Impulse über mehrere Berichts­saisons hinweg als strukturelle Ertrags­quelle nutzen. Entscheidend bleibt dabei die relative Bewertung von Einzelaktien- und Index­volatilität. Diese sachgerecht einzuschätzen, erfordert spezialisiertes Know-how und ermöglicht es erfahrenen Managern, attraktive Ertrags­chancen zu erkennen und gezielt zu nutzen.

Abbildung 2 zeigt den saisonalen Verlauf der rollierenden 30-Tage-Dispersion der 50 größten Unternehmen im S&P 500®. Die grauen Linien zeigen die realisierte Dispersion der einzelnen Jahre seit 2005, während die blaue Linie den historischen Durch­schnitt der realisier­ten Dispersion darstellt. Die orange Linie stellt die durchschnittliche implizite Dispersion, also den Markt­preis der Dispersion, dar. Im Durchschnitts­verlauf der realisierten Dispersion ist ein wieder­kehrender Anstieg im Umfeld der quartalsweisen Berichts­saisons erkennbar. Die unterschied­lichen Verläufe der Einzel­jahre zeigen zugleich, dass makro­ökonomische Ereignisse und Markt­stress das saisonale Muster verstärken oder überlagern können. Auch die implizite Dispersion zeigt einen ausgeprägten saisonalen Verlauf, der dem rück­blickenden Verlauf der realisierten Dispersion typischer­weise vorausläuft.

Abbildung 2: Wiederkehrender Anstieg der Dispersion im Umfeld der Berichtssaisons
Saisonaler Verlauf der rollierenden 30-Tage-Dispersion der 50 größten S&P 500®-Unternehmen. Historische Einzeljahre der realisierten Dispersion seit 2005 und Durchschnittsverläufe; 2026 bis zum verfügbaren Datenstand.

Für den Anleger

Für Anleger liegt der Nutzen in der Wiederkehr: Jede Berichtssaison bringt neue Informationen, Überraschungen und Unterschiede zwi­schen den Kursentwicklungen einzelner Unternehmen. Dispersionsstrategien können daraus Ertrag erzielen, indem sie Positionen in Einzelaktien- und Indexvolatilität gezielt kombinieren und von unternehmensspezifischen Bewegungen profitieren, die sich auf Index­ebene teilweise ausgleichen.

Der Berichtskalender ist unabhängig von den täglichen Bewegungen und dem aktuellen Niveau der Aktien- und Rentenmärkte. Diese Ertragschance setzt weder eine bestimmte Aktienmarktrichtung noch ein bestimmtes Zinsniveau voraus. Anleger erhalten damit Zugang 
zu einer zusätzlichen Ertragsquelle, deren struktureller Auslöser regelmäßig wiederkehrt. Ihr tatsächlicher Beitrag zum Portfolio hängt zugleich von den Marktbedingungen und der Positionierung ab.

Entscheidend bleibt, welche Bewegungen bereits in den Optionspreisen berücksichtigt sind. Die wiederkehrende Saisonalität der Disper­sion ist den Marktteilnehmern zwar bekannt und teilweise eingepreist, bietet aber dennoch attraktive Ansatzpunkte für eine aktive Han­delsstrategie. Durch einen frühzeitigen Positionsaufbau, einen ausreichend langen Anlagehorizont und eine aktive Steuerung lassen sich die saisonalen Muster gezielt nutzen. Das Verhältnis von erwarteter zu eingepreister Dispersion, die Titelauswahl, Laufzeiten, Absicherung und Kosten bestimmen dabei, wie erfolgreich sich diese wiederkehrenden Ereignisse in zusätzliche Erträge übersetzen lassen.
 

Tobias Knecht & Daniel Danon