Währungsabsicherung bei globalen Aktien: Weniger Risiko um jeden Preis?
EQUITY INSIGHTS | Nr. 49


2025 war für globale Aktienanleger grundsätzlich ein gutes Jahr. In lokaler Währung legte der MSCI World um 18,4 Prozent zu. Für einen nicht währungsgesicherten Euro-Anleger blieben davon allerdings gerade einmal 6,8 Prozent übrig. Ein währungsgesichertes Investment hätte hingegen 16,7 Prozent erzielt. Der Währungseffekt kostete damit knapp zehn Prozentpunkte Rendite gegenüber der gesicherten Variante.
Nur wenige Jahre zuvor war die Situation umgekehrt. 2022 verlor der MSCI World in lokaler Währung 16,0 Prozent. Vollständig abgesichert hätte ein Euro-Anleger gar 17,7 Prozent verloren, ohne Absicherung dagegen lediglich 12,8 Prozent. Die Fremdwährungen – insbesondere die Aufwertung des US-Dollar – federten die Aktienverluste damit um rund fünf Prozentpunkte ab.
Beide Jahre illustrieren dasselbe Grundproblem mit entgegengesetztem Vorzeichen: Wer global in Aktien investiert, investiert nicht allein in Unternehmen. Aus Sicht eines Euro-Anlegers kommt mit der Währung eine zweite Rendite- und Risikoquelle hinzu. Aktien und Währungen sollten deshalb nicht unabhängig voneinander betrachtet werden, wenn eine Währungsabsicherung in Betracht gezogen wird.
Methodischer Hinweis
Für die folgenden Analysen werden drei Varianten des MSCI World unterschieden: Der Index in Lokalwährung (LCY) bildet die Entwicklung der zugrunde liegenden Aktienmärkte ohne Währungseffekt ab. Die ungesicherte EUR-Variante enthält zusätzlich die Wechselkursentwicklung aus Sicht eines Euro-Anlegers. Bei der vollständig währungsgesicherten EUR-Variante wird dieser Wechselkurseffekt dagegen weitgehend abgesichert; an seine Stelle tritt der Hedge-Effekt aus dem Termingeschäft. Die Berechnungen zur Währungsposition basieren auf dem gewichteten Währungskorb des MSCI World. Mit einem Gewicht von 73 Prozent (Stand Juni 2026) ist der US-Dollar darin die dominante Fremdwährung.
Die Absicherung hat einen Preis
Die Idee des Währungs-Hedging ist einfach: Ein Euro-Anleger verkauft den zukünftigen Fremdwährungswert seines globalen Investments auf Termin. Der Terminkurs weicht aufgrund der Zinsdifferenz zwischen der Eurozone und dem Ausland vom aktuellen Kassakurs ab. Liegen beispielsweise die US-Zinsen über den Eurozinsen, entsteht für einen Euro-Anleger typischerweise ein negativer Hedge Carry.
Die beiden Eingangsbeispiele enthalten einen negativen Carry. Sowohl 2022 als auch 2025 blieb die gesicherte Variante 1,7 Prozentpunkte hinter der Lokalwährungsrendite zurück. Währungsabsicherung entfernt den Wechselkurseffekt also nicht ohne eigene Renditewirkung. Sie ersetzt eine unsichere Entwicklung der Währung durch einen wesentlich besser kalkulierbaren Ertrag oder Aufwand aus dem Termingeschäft. Über den Zeitraum von Anfang 2000 bis Mitte 2026 summierte sich dieser Hedge Carry auf -15,4 Prozent oder rund -0,6 Prozent pro Jahr (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1: Währungsabsicherung, kalkulierbarer Hedge-Effekt und volatiler Wechselkurseffekt

Zeitraum 3. Januar 2000 bis 10. Juni 2026
Während sich der Hedge-Effekt vergleichsweise stetig entwickelte, schwankte der offene Wechselkurseffekt zeitweise zwischen rund 14 und -28 Prozent. Langfristig lagen die Renditewirkungen beider Varianten vergleichsweise nah beieinander, ihr Risikoprofil unterschied sich dagegen erheblich. Es sind also nicht allein die Kosten des Hedges maßgeblich, sondern auch, welchen Beitrag die offene Währungsposition zum Risiko des Gesamtportfolios leistet.
Währungsrisiko als Teil des Gesamtrisikos
Eine vollständige Währungsabsicherung reduziert naturgemäß die Schwankungen, die unmittelbar aus Wechselkursbewegungen entstehen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass auch das gesamte Aktienportfolio weniger schwankt. Ob eine Absicherung das Gesamtrisiko senkt, hängt vom Zusammenspiel zwischen Aktien- und Währungsrenditen ab.
Sind beide positiv korreliert, verstärkt die Währung tendenziell die Schwankungen des Aktienportfolios; eine Absicherung wirkt dann risikoreduzierend. Bei einer negativen Korrelation kann die Währung dagegen einen natürlichen Diversifikationseffekt liefern. Wertet etwa der US-Dollar in Phasen fallender Aktienkurse gegenüber dem Euro auf, kann dies einen Teil der Verluste eines Euro-Anlegers kompensieren. Eine vollständige Absicherung würde in diesem Fall nicht nur das Währungsrisiko beseitigen, sondern zugleich diesen Diversifikationseffekt.
Wie stark dieser Zusammenhang im Zeitablauf schwankt, zeigt Abbildung 2. Die rollierende Drei-Jahres-Korrelation zwischen den Renditen des gewichteten Währungskorbs des MSCI World aus Euro-Sicht und den lokalen Aktienrenditen wechselte seit 2000 mehrfach das Vorzeichen. Zwischen 2000 und 2007 lag sie im Mittel bei 0,19, zwischen 2008 und 2014 dagegen bei -0,32 und erreichte im Mai 2012 einen Tiefpunkt von -0,46. Seit 2022 liegt die durchschnittliche Drei-Jahres-Korrelation erneut im negativen Bereich. Der Diversifikationsbeitrag der Währung ist damit regimeabhängig. Eine naheliegende Deutung: In Stressphasen wie 2008 oder 2022 wurde der Dollar als Fluchtwährung nachgefragt und wertete entsprechend auf, während Aktien global fielen. Eine offene Währungsposition dämpfte in diesem Szenario die Verluste.
Abbildung 2: Die Korrelation zwischen Währung und globalem Aktienmarkt wechselt das Vorzeichen

Zeitraum 3. Januar 2000 bis 10. Juni 2026
Wie sich diese wechselnden Korrelationsregime im Gesamtrisiko niederschlagen, verdeutlicht Abbildung 3. Zwischen 2000 und 2007 reduzierte eine vollständige Absicherung die annualisierte Volatilität von rund 16,2 auf 13,9 Prozent. Auch zwischen 2015 und 2021 war die gesicherte Variante deutlich weniger volatil. Zwischen 2008 und 2014 war es dagegen umgekehrt: Die Volatilität stieg durch die vollständige Absicherung von rund 17,3 auf 18,1 Prozent. Seit 2022 liegen beide Varianten mit 14,17 und 14,14 Prozent praktisch gleichauf. Eine Vollabsicherung hat die Portfoliovolatilität in den letzten Jahren nicht verringert.
Abbildung 3: Eine Vollabsicherung senkt die Volatilität des Portfolios nicht in jedem Regime

Zeitraum 3. Januar 2000 bis 10. Juni 2026
Entscheidend ist damit nicht die Volatilität einer Währung allein, sondern wie sie sich verhält, wenn das Aktienportfolio unter Druck gerät. Bei negativer Korrelation kann eine offene Währungsposition trotz eigener Schwankungen das Gesamtrisiko reduzieren.
Die risikominimale Sicherungsquote wandert mit dem Markt
Aus dieser Regimeabhängigkeit folgt, dass auch die risikominimale Sicherungsquote keine feste Größe sein kann. Abbildung 4 veranschaulicht diesen Effekt anhand von Mischportfolios, die täglich aus einem festen Anteil des gesicherten und des ungesicherten Index zusammengesetzt werden. Über den Gesamtzeitraum liegt das Volatilitätsminimum bei einer Absicherung von rund 80 Prozent. In einzelnen Marktphasen unterscheidet sich dieser Wert jedoch erheblich. Für 2008 bis 2014 liegt die risikominimale Sicherungsquote lediglich bei 22 Prozent. Seit 2022 beträgt sie etwa 51 Prozent. In den Zeiträumen 2000 bis 2007 sowie 2015 bis 2021 liegt das Minimum innerhalb des betrachteten Bereichs dagegen bei einer vollständigen Absicherung.
Abbildung 4: Die risikominimale Sicherungsquote schwankt mit dem Marktregime, die Korridore um das Volatilitätsminimum sind jedoch relativ breit

Zeitraum 3. Januar 2000 bis 10. Juni 2026
Gleichzeitig zeigt Abbildung 4 eine für die Praxis wichtige Eigenschaft: Die Bandbreiten um das Volatilitätsminimum sind in drei von vier Regimen – mit Ausnahme des Zeitraums 2000 bis 2007 – relativ breit. Über den Gesamtzeitraum liegt die Volatilität bei Sicherungsquoten zwischen rund 52 und 100 Prozent höchstens 0,10 Prozentpunkte über dem Minimum. Ähnlich breite Korridore zeigen sich in einzelnen Marktregimen: Beispielsweise liegt die Volatilität von Portfolios mit Sicherungsquoten von 23 bis 80 Prozent seit 2022 innerhalb von 0,10 Prozentpunkten des Minimums. Die exakte rückblickend optimale Sicherungsquote erscheint folglich weniger wichtig als eine Positionierung innerhalb eines vergleichsweise breiten Risikokorridors.
Die Breite dieser Volatilitätskorridore verändert zugleich die Kosten-Nutzen-Abwägung. Während der zusätzliche Risikonutzen einer höheren Sicherungsquote ab einem gewissen Punkt deutlich abnimmt, steigen die Carry-Kosten annähernd proportional mit dem abgesicherten Anteil. Bei einem Hedge Carry von zuletzt -1,4 Prozent pro Jahr (Stand: Juni 2026) hätte eine Erhöhung der Sicherungsquote von 50 auf 100 Prozent bei unveränderten Zinsdifferenzen rund 0,7 Prozentpunkte Rendite pro Jahr gekostet. Im Zeitraum seit 2022 wäre die Volatilität dabei nicht gesunken, sondern von 13,8 Prozent auf 14,1 Prozent gestiegen. Hinzu kommt, dass die risikominimale Quote immer erst im Nachhinein bekannt ist, die Carry-Kosten dagegen bereits im Vorfeld gut kalkulierbar sind. Je breiter der Korridor, desto geringer der Nachteil einer Abweichung vom rückblickenden Optimum.
Für Kapitalmarktanleger: Preis und Nutzen gemeinsam betrachten
Für die Entscheidung über eine Währungsabsicherung sind damit zwei Fragen zentral: Wie hoch ist der Hedge Carry angesichts der Zinsdifferenz? Und wie wirkt sich die Währungsposition auf das Gesamtrisiko des Aktienportfolios aus?
Eine Wechselkursprognose ist für die Beantwortung beider Fragen nicht erforderlich. Die risikominimale Sicherungsquote ergibt sich aus der Korrelation zwischen Aktien- und Währungsrenditen sowie deren relativen Volatilitäten. Eine Erwartung zur künftigen Wechselkursentwicklung kann zwar eine abweichende Sicherungsquote begründen. Sie stellt jedoch eine aktive Renditepositionierung dar und sollte von der reinen Risikobetrachtung getrennt werden.
Für das aktuelle Umfeld ergibt sich ein vergleichsweise klares Bild. Die Carry-Kosten liegen mit 1,4 Prozent pro Jahr deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen 26 Jahre, während die Korrelation zwischen Aktien- und Währungsrenditen leicht negativ ist. Eine Vollabsicherung verursacht somit hohe laufende Kosten, ohne das Gesamtrisiko nennenswert zu reduzieren. Eine Teilabsicherung kann dagegen einen Großteil der möglichen Risikoreduktion bei deutlich geringeren Kosten erreichen und zugleich einen Teil des Diversifikationseffekts erhalten.



